Historie der Sayner Hütte


Arbeiter der Sayner Hütte um1903In Sayn ist seit dem 12. Jahrhundert mit Burg, Abtei, Mühle, Schloss und Schlosspark ein Ebenbild einer europäischen Kulturlandschaft gewachsen. Mittelpunkt des einzigartigen kunst-, technik- und wirtschaftsgeschichtlichen Ensembles ist die Hüttenanlage.

Am 1. Juni 1815 übernahm der preußische Staat die Sayner Hütte. Um 1830 wurde die neue Gießhalle errichtet. Neben den bereits bestehenden Gießereien in Gleiwitz (ab 1796) und Berlin (ab 1804) wurde die Sayner Hütte in den folgenden 50 Jahren zu einer der größten in Preußen. Sie versorgte das Rheinland mit Gebrauchseisen jeder Art und Größe und fertigte Rohre, Schienen, Kanonen und Munition für den Ausbau der Koblenzer Festungen. Durch neuartige Funktionsabläufe beim Verhütten und Gießen und durch die Leistungsfähigkeit ihrer Gebrauchseisen- und Kunstgussproduktion trat sie zum „Musterbetrieb“ hervor. Mit ihr entstand in Sayn zu Beginn des 19. Jahrhunderts eines der großen Innovationszentren der Gusseisen-Technologie. Unter preußischer Führung gelang der Übergang zur industriellen Fabrikation.

Ab 1817 wurde auf der Sayner Hütte auch Kunstguss hergestellt. Leuchter, Schreibzeug, Teller, Uhrhalter und feingliedriger Schmuck wurde den Kunden in Musterbüchern offeriert. Bei den Königlich-Preußischen Eisengießereien Berlin, Gleiwitz und Sayn galt der Brauch, zum Neujahr an besondere Persönlichkeiten Neujahrskarten in Form von Reliefplaketten zu verschenken. Verpackt in seidengefütterten roten Lederetuis mit beigefügtem Erklärungstext erreichten sie zum neuen Jahr Geschäftsfreunde, Beamte und Kunden. Dabei wählte die Sayner Hütte vorwiegend als Motiv ein Bau- oder Kunstdenkmal des Rheinlandes oder Westfalens. Der Kölner Dom war mehrfach Motiv der Sayner Neujahrskarten.

HISTORISCHES WAHRZEICHEN DER INGENIEURBAUKUNST UND KREATIVER ORT FÜR NEUE ENTWICKLUNGEN
Heute ist die Sayner Hütte ein machtvolles und zugleich prächtiges Zeugnis der Gusseisen-Zeit. Nach umfangreicher Restaurierung des gusseisernen Tragwerkes und der gläsernen Fassadenteile (2012-2014) ist die historische Gießhalle nach wie vor ein architektonisch und technologisch kreativer Ort mit großer Ausstrahlung. Diese Prägung soll ihr weiterhin erhalten bleiben. Möglichst nahe an der Robustheit eines Hüttenwerkes und zugleich edel wie Eisenkunstguss soll die Sayner Hütte als Besonderheit eine Zukunft erlangen.
Von der Sayner Hütte aus wurde die Epoche der weit gespannten Tragwerke aus Gusseisen eingeleitet. Die einzigartige Gießhalle demonstriert eindrucksvoll eine frühe und baukünstlerisch besonders gelungene Anwendung dieser Bauweise, zugleich aber auch eine herausragende Ingenieurleistung.