SAYNER HÜTTE – 10 Jahre „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“


Die Gießhalle im Jahr 1880
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Vor 10 Jahren, am 27. August 2010, verlieh die Bundesingenieurkammer der Gießhalle der Sayner Hütte den seltenen Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. „…Die dreischiffige Gießhütte ist eine für die Geschichte der Technik bedeutende Gusseisenkonstruktion, ein technisches Kulturdenkmal allerersten Ranges.“ (Kompendium „Die Kunstdenkmäler des Landkreises Koblenz“) Die von Carl Ludwig Althans im Jahr 1830 vollendete Gießhalle der Sayner Hütte gilt als erster Industriebau mit einer tragenden Gusseisenkonstruktion.

Die von Carl Ludwig Althans im Jahr 1830 vollendete Gießhalle der Sayner Hütte gilt als erster Industriebau mit einer tragenden Gusseisenkonstruktion. „…eine so ganz neue Sache, welche ich hier ohne Vorbild entworfen und ausgeführt habe.“ So wird Carl Ludwig Althans zitiert, wenn er über den Bau der Gießhalle spricht. Über eine Fläche von 24 m x 29 m wurde die ursprüngliche Halle vollständig aus vorgefertigten gusseisernen Bauelementen erbaut, die zuvor vor Ort in der Sayner Hütte gegossen wurden. 1844 verlängerte man die Halle auf 43,30 Meter.

Carl Ludwig Althans
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss Museum
Foto: C. Biegel

Foto: C. Biegel

Die filigranen gusseisernen Quer- und Längsbinder werden von 6,5 Meter hohen Hohlsäulen mit dorischen Kapitellen getragen. Die in der Querrichtung verlaufenden Korbbogenbinder tragen die Dächer der Seitenschiffe. Die Gichtbühne, die sich an die oberste Ebene des Hochofen anschließt, wird von zwei sogenannten Fischbauchträgern gehalten. Durch die gesamte Halle verläuft eine Transportebene, die an den Bindern der Obergaden aufgehängt ist. Der Rauchabzug geschah durch den Obergaden im Mittelschiff, welche in Form gotischer Spitzbögen gestaltet wurde. Dieses höchste Fensterband war zu damaligen Zeiten unverglast, so dass der Rauch, der beim Gießen und Schmelzen entstand abziehen konnte. Den vorderen Abschluss der Gießhalle bildet eine Glaswand mit Eisenrippen im Mittelschiff und mit Spitzbögen in beiden Seitenschiffen. Diese verglaste Westfassade war zu jener Zeit äußerst ungewöhnlich und macht die Halle mit ihrer Konstruktion zu einem Bau von Weltrang.

Zusammenfassend kann man sagen, die historische Gießhalle in ihrer feingliedrigen Gestalt einer dreischiffigen Basilika erzählt von der Genialität ihres Schöpfers, dem Hütteninspektor Carl Ludwig Althans.

Die Gießhalle mit dem Hochofengebäude verfügt im Jahr 1830 über vier gusseiserne Wasserräder zum Antrieb der vorhandenen Maschinen. So dienen Sie zum Beispiel zum Antrieb des Dreizylindergebläses, das den Hochofen und den ersten Kupolofen mit Wind und somit mit Sauerstoff versorgte. Zudem trieben die Wasserräder die Kalkpoche an, in der der Kalk zerkleinert wurde und Dreh- sowie Bohrwerke. Eines dieser komplett aus Gusseisen gefertigte Wasserräder blieb bis heute größtenteils erhalten. Seine Radschaufeln sind als Taschen gearbeitet und die Wasserzufuhr geschah oberschlächtig. Die Wasserzufuhr war so eingerichtet, dass das Rad entgegen des Uhrzeigersinns lief. In seiner Ausführung ist das Wasserrad durch seine Form und Funktion schon sehr nah an den später entwickelten Turbinen. Über ein genietetes und verschraubtes Stangensystem wird der äußere doppelte Radkranz gehalten. Die im Durchmesser ca. 6 m großen Wasserräder sind die wohl modernste Konstruktion ihrer Zeit und eine kleine technische Revolution, entwickelt von Carl Ludwig Althans.

Foto: C. Biegel
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Auch die maschinentechnische Ausstattung der Gießhalle geht auf Carl Ludwig Althans zurück. Für die neu errichtete Halle entwirft er eine gusseiserne Kranbahn, die das Mittelschiff der Halle durchläuft. Eine seiner genialen Entwicklungen sind die kugelgelagerten Konsolkräne. Mehrere dieser Schwenkkräne waren an den Säulen des Mittelschiffs der Gießhalle befestigt, um damit schwere Gussstücke sowie mit flüssigem Eisen befüllte Tiegel in die Seitenschiffe heben zu können. Zwei dieser Kräne sind noch heute erhalten. Sie besitzen einen 4,20 Meter langen, um 360 Grad drehbaren Ausleger bei einer Hubkraft von bis zu 2,5 Tonnen.