Objekt des Monats


Objekt des Monats November Kreuzwegstation Nr. 13 „Kreuzabnahme Jesu“

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Bei unserem Objekt des Monats November handelt es sich um die 13. Kreuzwegstation des neugotischen Kreuzweges im Schlosspark in Bendorf-Sayn. Die vierzehn original Kreuzwegstationen des Sayner Schlossparks wurden im Auftrag von Fürstin Leonilla, der Gemahlin des Fürsten Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, im Jahr 1862 auf der königlich-preußischen Sayner Hütte nach Modellen von Wilhelm Samuel und Fritz Weigelt gefertigt.

Die hier gezeigte 13. Kreuzwegstation zeigt die „Kreuzabnahme Jesu“. Sie befindet sich im Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums und wurde anlässlich der im Jahr 2007 gezeigten Ausstellung „Europäischer Eisenkunstguss Gleiwitz-Berlin-Sayn“ in der Kunstgießerei Buderus in Hirzenhain restauriert. Der Fuß dieser Kreuzwegstation wurde nachgegossen. Das Zinn-Relief mit Rahmen wurde auf den Fuß montiert und insgesamt farblich neu gefasst.

Kreuzwegstation Nr. 13: Am Abend geht Josef von Arimathäa, einer der Jünger Jesu, zu Pilatus und bittet ihn um den Leichnam Jesu, um ihn zu begraben. Als Jesus vom Kreuz abgenommen wird, sind seine Mutter Maria, deren Schwester, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena anwesend. Als Josef von Arimathäa Maria ihren toten Sohn in den Schoß legt, weinte und trauerte sie um ihn. In der christlichen Kunst entstand so das Bild der Pieta: die Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß. Auch Maria aus Magdala (= Maria Magdalena) spielt in der frühen Kirche eine große Rolle. Wie ihre Beziehung zu dem lebenden Jesus war, lässt sich nur spekulieren.

Marienkapelle, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Im Jahr 1850 wandern Fürst und Fürstin zu Sayn-Wittgenstein von Russland nach Sayn in die preußische Rheinprovinz aus. Sie lassen ein Anwesen am Fuße des Sayner Burgberges zu einem Schloss im neugotischen Stil umbauen. Außerdem wird der Schlosspark in den 1850er Jahren neu angelegt und zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Im Jahr 1862 wird im Auftrag von Fürstin Leonilla im Schlosspark eine neugotische Kapelle mit Pieta errichtet, die Ausgangs- und Endpunkt des neugotischen Kreuzweges ist.

In der Sayner Hütte werden im Jahr 1862 durch die Modelleure Wilhelm Samuel Weigelt und dessen Sohn Fritz zunächst 14 Kreuzwegstationen in Eisenguss gefertigt. Die Stationen werden in unmittelbarer Nähe der Kapelle aufgestellt. Während der Kriege werden die Stationen zum Teil beschädigt, zerstört, einzelne auch gestohlen. Erst im Jahr 1996 konnten sie restauriert bzw. durch Nachmodellierungen ergänzt werden. Durch die Initiative des „Förderervereins für die Abtei Sayn“ erfolgte der Nachguss der fehlenden oder beschädigten Bildtafeln.

Im Jahr 1997 wurde eine 15. Station, die Auferstehung, hergestellt. Mit der Neuaufstellung des Kreuzweges im Jahr 2010 entlang des Rundweges durch den Schlosspark werden die einzelnen Stationen aus der doch etwas versteckten Lage herausgenommen und es entstand ein neuer, gern gegangener Kreuzweg. Die Kreuzwegstationen sind Kulturdenkmäler gemäß § 8 Denkmalschutzgesetz (DSchG) und sind im Denkmalverzeichnis „Kreis Mayen-Koblenz“ eingetragen.

Im Januar 1842 übernahm Wilhelm Samuel Weigelt bis ins Jahr 1865 die Verantwortung für die Kunstgussabteilung auf der Sayner Hütte. Weigelt, der am 29. Juli 1816 in Stargard (Pommern) geboren wurde und in Koblenz aufwuchs war, erlernte von 1835-1837 bei Heinrich Zumpft auf der Sayner Hütte das Modellieren in Wachs und Ton. Seine künstlerische Ausbildung setze er bei den Bildhauern Imhoff in Köln und Scholl in Mainz fort. Ab Oktober 1838 besuchte er die Akademie der Künste in München. 1841 bewarb er sich mit zwei von ihm entworfenen Wachsreliefs bei den Behörden in Berlin auf die Stelle des Chefmodelleurs der Sayner Hütte, die er am 1. Januar 1842 auch antritt.

Wilhelm Samuel Weigelt
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Während der Tätigkeit Weigelts auf der Sayner Hütte wendet man sich bereits schwerpunktmäßig dem Guss von Grabmälern, Gittern, Wendeltreppen und Öfen zu. So soll Weigelt u. a. die Modelle für die Wendeltreppe in der Kapelle von Schloss Stolzenfels und an den Gussarbeiten für Schloss Sayn (Fenstergewände, Brunnen, Treppen, Geländer) maßgeblich beteiligt gewesen sein. Nach dem Verkauf der Hüttenanlage an Alfred Krupp, wird Weigelt am 1. Juli 1865, als Nachfolger des Friedrich Wilhelm-Ludwig-Beyerhaus, an die Gießerei nach Gleiwitz in Oberschlesien versetzt, wo er als Modelleur tätig ist. Da die Kunstgussabteilung in Gleiwitz immer weniger zu tun hat, muss Weigelt sich auf die Fertigung von Modellen für den Bau- und Maschinenguss umstellen. Im Jahr 1872 wird Weigelt entlassen. 1874 zieht er mit seiner Familie nach Lüneburg, wo er am 16. März 1897 stirbt.

Objekt des Monats Oktober „Borghesischer Fecheter“

Original Statue im Louvre;
c/o: Ryan Bauman, CC BY 2.0,
https://commons.wikimedia.org

Bei dem sogenannten „Borghesischen Fechter“ handelt es sich um die lebensgroße, etwa 1,55 m große Statue eines kämpfenden Kriegers aus der Antike. Die 100 v. Chr. aus Marmor gefertigte Skulptur wurde im Jahr 1611 bei Ausgrabungsarbeiten in Porto D’Anzio gefunden, vermutlich in der ehemaligen Villa des Nero. Als Künstler nennt sich in der Inschrift Agasias aus Ephesos, der wiederum ein aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammendes Original kopiert hat. Das in 17 Einzelteile zerbrochene Fundstück wurde von dem Bildhauer Nicolas Cordier restauriert und kam dann in die Villa des Kardinals Scipione Borghese in Rom, bevor Sie 1807 von Napoleon I. gekauft und gemeinsam mit anderen Kunstwerken der Antike in den Louvre nach Paris gebracht wurde, wo sie bis heute zu bewundern ist.

Dargestellt ist ein Kampfmotiv, bei dem sich ein Schwertkämpfer gleichzeitig mit dem linken Arm verteidigt und mit dem rechten Arm einen Angriff ausführt. Am vorgestreckten linken Arm befindet sich eine Halterung für ein Schild, wobei Schwert und Schild bei der Originalstatue fehlen. Vermutlich wollte sich der Kämpfer vor einem von oben angreifenden Reiter schützen. Der Kopf ist in einer plötzlichen nach links gerichteten Bewegung
gezeigt, mit welcher der Kämpfer direkt auf den angreifenden Feind blickt und ihn fixiert. Die Gesichtszüge zeigen volle Konzentration, aber keinen Ausdruck einer Gemütsbewegung. Zwischen den gespreizten Schenkeln ist ein Baumstumpf als Stütze angebracht, der bei den Eisenkunstgüssen nicht vorhanden ist.

Fotos: archeosammlungen. uni-graz.at
Fotos: archeosammlungen. uni-graz.at

Der Borghesische Fechter zeichnet sich durch seine vortrefflich anatomische Durchbildung aus und war deshalb in der Kunst der Renaissance eine der am meisten bewunderten und ab dem 18. Jahrhundert im Klassizismus auch häufig nachgeahmten oder kopierten Bildhauerwerke im Stil der griechisch-römischen Antike. Zudem wurde Sie häufig als Musterfigur für anatomische Studien benutzt

Der Borghesische Fechter ist außerdem eines von zahlreichen historischen bzw. antiken Vorbildern für den Eisenkunstguss.
So befindet sich auch im Inventar des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums ein Metallguss dieses Schwertkämpfers. Bei diesem um das Jahr 1825 gefertigten Exponat handelt es sich um einen schwarz patinierten Messingguss, montiert auf einem quaderförmigen gelben Marmorsockel. Den unteren Abschluss des Sockels bildet eine breitere Platte aus schwarzem Marmor.
In diesem Jahr dient die Skulptur als Vorlage für das Ausstellungs- und Werkstattprojekt „Bunte Güsse – Die Sammlung ohne Eisen“.
So wurde das linke Bein des Kämpfers in buntem Zucker nachgegossen.

Foto: Benedikt Rothkegel
Foto: C. Biegel
Foto: C. Biegel
Foto: C. Biegel
Fotos: Rheinisches Eisenkustguss-Museum

Das Motiv eines Schwertkämpfers wurde auch in einem kleineren Format als Briefbeschwerer in Eisenguss hergestellt. Gerne wurde der Schwertkämpfer dabei mit einem weiteren Briefbeschwerer als Paar verkauft, der einen sterbenden Gallier zeigt. Bei der Darstellung des sterbenden Galliers handelt es sich um eine verkleinerte Nachbildung der bekannten Marmorstatue aus dem Museo Capitolino in Rom, einer römischen Kopie einer Figur, die anlässlich des Sieges König Attalos I. von Pergamon (242-197 v. Chr.) über die Gallier entstand. Im Modellverzeichnis der Sayner Hütte werden sie geführt als“ Briefhalter Sterbender Fechter“ und „Briefhalter Borghesischer Fechter“.

Auch in verschiedenen europäischen Garten- und Parkanlagen begegnet uns der „Borghesische Fechter“: So befinden sich zwei Skulpturenpaare im Mirabellengarten in Salzburg (Österreich). Das innere Paar am Bosquet wurde 1689 von Andreas Götzinger modelliert, das äußere Paar wurde von Michael Bernhard Mandl etwa um 1690 bis 1695 geschaffen.

Äußeres Paar Mirabellengarten
Inneres Paar Mirabellengarten

Ein Bronzenachguss in Originalgröße wurde für Charles I. von England angefertigt und Ist in Windsor Castle aufgestellt. Ein weiteres Skulpturenpaar kennen wir von Schloss Leopoldskron. Weitere Standorte sind Petworth House, „Green Court“ in Kole, Schlosspark Lützschena und das Treppenhaus des Goethe-Anbaus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Im Schloss Peterhof in Sankt Petersburg stehen am Fuße der großen Kaskade zwei vergoldete Bronzestatuen des Borghesischen Fechters, aus deren linkem Arm jeweils eine Wasserfontäne in Richtung des anderen spritzt.

Peterhof: Von FredericoPereira – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org

Objekt des Monats September „Igeler Säule“

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Die sogenannte „Igeler Säule“ ist eine aus Gusseisen gefertigte, verkleinerte Nachbildung des berühmten Grabmonumentes der in Igel bei Trier ansässigen römischen Tuchhändlerfamilie Secundinius. Die aufgrund des Tuchhandels wohlhabenden Gebrüder Aventinus und Securus Secundinius ließen es zum Andenken an ihre verstorbenen Angehörigen errichten. Das um das Jahr 250 n. Chr. aus rotem Sandstein erbaute römische Denkmal ist das größte noch an seinem Originalstandort bestehende Pfeilergrab nördlich der Alpen. Die 19 Zoll große Eisenguss-Skulptur befindet sich heute im Privatbesitz und wurde dem Rheinischen Eisenkunstguss-Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Das die original Igeler Säule noch heute erhalten ist, verdankt sie einem Irrglauben im Mittelalter. Fälschlicher Weise deutete man eine auf dem Grab abgebildete Familienszene der Secundinier als Vermählung der Eltern von Kaiser Konstantin dem Großen. Somit entging das Pfeilergrab seiner Zerstörung nach dem Zerfall des römischen Reiches. Als geschütztes Kulturdenkmal zählt die 23 Meter hohe Igeler Säule seit dem Jahr 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe Trier. Außerdem ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet.

Original Grabmonument in Igel © Rheinisches Eisenkunstguss Museum
Nordseite der Stufen und des Sockels © trierer-original.de

Die Igeler Säule zeigt auf allen vier Seiten zahlreiche Szenen aus dem Alltag der Tuchmacherfamilie Secundinius sowie mythologische Bilder und Gestalten in einer betonten Architektonischen Gliederung. Sie setzt sich aus zwei Blöcken mit je vier Seitenteilen zusammen, die miteinander verschraubt sind. Der untere Block besteht aus vier leicht zurückspringenden Stufen mit Bildern von Delphinen und Eroten, Tritonen und Seetieren und auf der Westseite mit einer Darstellung eines von 2 Männern gezogenen Kahns. Darüber folgt der Sockelbereich mit Motiven aus dem Tuchhandel. Auf der Nordseite erkennbar ist eine Szene der Tuchballenverschnürung.

Das mit vier Eckpfeilern versehene Hauptgeschoss zeigt Abbildungen von Knaben und Giganten. Das Hauptfeld der Südseite zeigt die Brüder L. Secundinius Aventinus (links) und L. Secundinius Securus (rechts), die eine Testamentsrolle in der Hand halten. In der Mitte ist einer der verstorbenen Söhne des Securus abgebildet. Das linke Medaillon zeigt Pecata, die verstorbene Ehefrau des Aventinus, das Mittlere den Vater der Erbauer (Publius Secundinus) und das Rechte den zweiten Sohn des Securus. Auf dem Hauptgeschoss sitzt ein schmaler Fries mit Bildern aus dem Tuchhandel.

Hauptfeld der Südseite mit den Gebrüdern Aventinus & Securus © Rheinisches Eisenkunstguss Museum
Attika und Giebelfeld der Nordseite © trierer-original.de

Das darüber liegende Architekturelement, die Attika, ist auf drei Seiten mit Szenen aus dem Tuchhandel und auf der Nordseite mit Greifen und einem Eros verziert. In den vier Giebelfeldern sind Götterfiguren erkennbar. Hier auf der Nordseite dargestellt ist die mächtige Büste des jugendlichen Sonnengottes. Gezeigt wird der Aufstieg des Sonnengottes aus dem Ozean, was den Sonnenaufgang bedeutet.

Den Abschluss des Grabpfeilers bildet ein Schuppendach, darauf erhebt sich ein mächtiges Figuren-Kapitell, das an den Ecken mit gefesselten Giganten bekleidet ist. Über Schlangenknoten sitzt jeweils ein Kopf. Nach Vorne der eines Mannes, und auf den anderen drei Seiten sind Frauenköpfe abgebildet. Das Kapitell trägt eine Platte, darauf ein riesiges Ei. Gehalten wird das Ei von vier weiblichen Köpfen an jeder der Ecken. Den krönenden Abschluss bildet der Adler des Zeus, der einen Knaben zum Himmel trägt.

Schuppendach und Bekrönung der Igeler Säule © trierer-original.de

Die Idee, das Grabmal in Eisenguss zu fertigen entstand erstmals Mitte der 1820 er Jahre im Umfeld der Sayner Hütte. Zu dieser Zeit war die Sayner Hütte bereits seit 5 Jahren in preußischer Hand. Das Königreich Preußen förderte das in der nach den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 hinzugewonnenen Rheinprovinz wiedererwachte Interesse an dem Wiederaufbau und der Restaurierung antiker Bauten und kümmerte sich auch um die Erhaltung dieses römischen Monuments. Die Produktion der Igeler Säule in Eisenguss sollte zum wirtschaftlichen Vorteil der königlich-preußischen Sayner Hütte umgesetzt werden.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Der Bonner Architekt Bernhard Hundshagen, aus dessen Feder einige Entwürfe für Neujahrsplaketten der Sayner Hütte stammen, schlägt in einem Brief vom 10. Februar 1826 das „Monument zu Igel bei Trier“ als interessantes Motiv für den Eisenkunstguss vor. Die Sayner Hütte schickt daraufhin ihren Modelleur Heinrich Zumpft zweimal nach Igel an die Mosel, um die Igeler Säule genau zu vermessen und um ein Wachsmodell anzufertigen. Im Jahr 1828 wurde die Igeler Säule dann erstmals in der Sayner Hütte gegossen. Nachweislich wurde sie bis zum Verkauf der Hütte an Krupp im Jahr 1865 in Sayn produziert. Unter Verwendung eines Originalgusses der Sayner Hütte fertigte die Halbergerhütte zwischen 1880 und 1950 etwas kleinere Nachgüsse des Grabmals an.

Die Igeler Säule ist das wohl berühmteste Werk ihres Modelleurs Johann Heinrich Zumpft. Es brachte ihm den Rang eines „Akademischen Künstlers“ ein, welcher ihm im Jahre 1830 vom akademischen Senat in Berlin verliehen wurde. Johann Heinrich Zumpft, der unter Leonhard Posch in Berlin gelernt hat, wurde im Jahr 1822 erster Modelleur für Eisenkunstguss in der neu errichteten Tiegelgießerei der Sayner Hütte und damit mit den „feinen Modelleur-Arbeiten“ betraut. Neben der Erstellung und Beschaffung von Modellen, lag seine Aufgabe außerdem in der Ausbildung junger Leute für den Beruf des Modelleurs. Zuvor war er seit Anfang 1813 auf der Munitionsgießerei der Berliner Eisenhütte tätig.

Nach 25 Jahren im Staatsdienst ohne Pensionsaussichten und durch nachlassende Sehkraft nahezu erwerbsunfähig, eröffnet er am 1.Januar 1838 das „Gasthaus zur Saynerhütte“ (heutige Koblenz-Olper-Str. 177) um seinen 13-köpfigen Haushalt weiterhin versorgen zu können. Bis ins Jahr 1846 betreibt Heinrich Zumpft seine Gaststätte und verlässt dann Sayn, um nach Homburg (heute Bad Homburg) zu ziehen. Seine Spuren verlaufen sich dann im Jahr 1875 in Kassel, wo er noch einmal die Anfertigung von Gipsabgüssen der Igeler Säule anbietet und im Jahr 1878 gestorben sein soll. Das Haus Zumpfts ersteigert im Jahre 1848 der Geheime Bergrat Carl Ludwig Althans und wohnt dort bis zu seinem
Tode am 10. Oktober 1864.

Haus Zumpft, 1992 © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Signatur Zumpft © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Die ersten Eisengüsse der Igeler Säule mit Widmung erhielten Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Wolfgang von Goethe, der die Igeler Säule im Jahr 1792 mehrmals besucht hatte und der preußische Innenminister Kaspar Friedrich von Schuckmann anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums vom Oberbergamt in Bonn.

Im Besitz des Kronprinzen befand sich außerdem ein farbig gefasster Gipsabguss, der heute noch zur Ausstattung von Schloss Stolzenfels gehört. Weitere Igeler Säulen in Eisenguss befinden sich in Brühl, im Schloss Augustusburg, im Röntgen-Museum Neuwied, in der Hanns Schell Collection in Graz sowie im Muzeum Narodowe w Wroclawiu (Nationalmuseum Breslau). Das Brühler Exemplar steht auf einem einfachen Bronzesockel und darunter wiederum auf einem größeren weißen Marmorblock. Es trägt im Sockelbereich die Signatur: „Zumpft.F.1828.“.

Im Jahre 1829 bringt Georg Osterwald im Koblenzer Verlag Baedeker eine Publikation über „Das Römische Denkmal in Igel und seine Bildwerke mit Rücksicht auf das von H. Zumpft nach dem Originale ausgeführte 19 Zoll hohe Modell…“ heraus. Diese Begleitschrift enthält ein werbewirksames Vorwort von Johann Wolfgang von Goethe sowie Lithographien mit Ansichten der Igeler Säule, gefertigt nach dem Modell von Heinrich Zumpft und dazu detaillierten Beschreibungen. Sie schließt mit einer Anzeige, in welcher Zumpft und Osterwald Bronzeabgüsse für 20 preußische Taler und Gipsabgüsse für 3 Taler und 25 Silbergroschen anpreisen.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Objekt des Monats August „Sayner Mücke“


© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Bei der der sogenannten „Sayner Mücke“ handelt es sich um eine gusseiserne Stubenfliege in Originalgröße, die vermutlich um das Jahr 1820 erstmals in der Sayner Hütte gegossen wurde. Ihr Körper besteht aus Eisenguss und die sechs Beine sind aus Eisendraht gefertigt. Gegossen aus einem einzigen Tropfen (ein Gramm) Eisen gilt sie als das kleinste und wohl auch schwierigste künstlerische Eisenkunstguss-Erzeugnis der Sayner Hütte.

„…Dabei ist der Guß dieses winzigen Stückchens Eisen nicht einmal das schwierigste dabei. Schwieriger sind die Mückenbeine. Sie müssen einzeln aus dünnem Draht in den Formsand gestellt und später mit der Pinzette gebogen und gerichtet werden. Dabei hat sich schon manche kunstvoll erstellte Mücke ein Bein gebrochen…“, so wird Georg Schneider in der Festschrift „Mückenfest“ im Jahr 1950 zitiert.

Im Jahr 1817/18 entsteht nach Gleiwitzer Vorbild und unter der Leitung des königlichen Bauinspektors Franz Moritz und des Hütteninspektors Carl Ludwig Althans im Arkadengebäude der Sayner Hütte die erste sogenannte Tiegelgießerei zur Produktion von Eisenkunstguss. Hier werden neben der Sayner Mücke unter anderem Glocken, Kruzifixe und Bildnis-Medaillons gegossen. Der erste Modelleur der Sayner Kunstgießerei ist der aus Berlin stammende Heinrich Zumpft, der ab dem Jahr 1822 die „feinen Modelleur-Arbeiten“ in der Sayner Hütte übernimmt. Gemeinsam mit dem Zeichner Karl Osterwald leitet er bis in das Jahr 1835 die Eisenkunstgussproduktion der Sayner Hütte.


Carl Ludwig Althans © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Es gibt keine eindeutigen Belege darüber, warum man in Sayn beschloss, sich ausgerechnet eine kleine Stubenfliege zum Modell zu nehmen, doch wie eine Anekdote weiß, wurden die Sayner Kunstgießer von ihren hochnäsigen Kollegen in Berlin hochgenommen, „sie könnten ja gar nicht richtig gießen“. Mit dem Guß der Sayer Mücke belegten sie eindrucksvoll das Gegenteil.


Original „Sayner Mücke “ inkl. Verkaufsschachtel (Privatbesitz) © C. Biegel

Ein Originalguss inklusive Verkaufsschachtel aus Krupp’scher Zeit (1865-1926) befindet sich heute im Privatbesitz und wurde an das Rheinische Eisenkunstguss-Museum ausgeliehen. Die Leihgabe ist derzeit in der
Krupp’schen Halle ausgestellt. Nach Schließung der Sayner Hütte im Jahr 1926 hat die Kunstgießerei der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen und die Kunstgießerei Buderus in Hirzenhain Nachgüsse der „Sayner Mücke“ produziert.

Im Jahr 1950 ist die Sayner Mücke erstmals Namensgeber des vom „Verkehrs- und Verschönerungsverein Bendorf-Sayn-Mülhofen e.V.“ ausgerichteten Volksfestes, dem sogenannten „Mückenfest“ im Schloßpark in Sayn. An allen Festtagen gilt die „Sääner Meck“, wie sie im Volksmund genannt wird, als Festabzeichen. Die Idee ein „Mückenfest“ auszurichten stammt vom damaligen Bürgermeister der Stadt Bendorf Georg Bauer.


Die Sayner Mücke als Anstecknadel © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Festschrift „Mückenfest“ © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Im Vorwort der ersten Festschrift „Mückenfest“ wird er wie folgt zitiert: „Es ist gewiß ein Wagnis, die kleine Fliege – der Volksmund nennt sie nicht ganz zutreffend „Mücke“ – in den Mittelpunkt eines Volksfestes zu stellen.
In Bendorf hat das jedoch seine Berechtigung: Die gusseiserne Mücke, unser Festabzeichen, ist ein Kunstwerk, geschaffen in der Sayner Hütte
an der Stätte der ersten deutschen Kunstgießerei.“ Bis heute findet Anfang September in Sayn das sogenannte Burgen- und Parkfest, als Nachfolge für das „Mückenfest“, statt.

Objekt des Monats Juli „Regulier-Füllofen Nr. 24“ aus dem Jahr 1900

© Benedikt Rothkegel

Dieser vierstöckige, aufwendig verzierte Ofen mit Kuppel aus Eisenguss stammt aus der Produktion der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen und zählt heute zum Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.
Es handelt sich um einen sogenannten Regulierfüllofen, der unter der Nummer 24 im Produktkatalog der Concordiahütte aufgeführt wird. Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein Schwerpunkt in der Produktion Concordiahütte bei der Ofen- und Herdmontage. Im Bestand des Rheinischen
Eisenkunstguss-Museums befinden sich zahlreiche Produktkataloge, die von der großen
Vielfalt des Angebots zeugen. Neben der Funktion als Wärmespender hatten diese sehr dekorativen und aufwendig verzierten Öfen auch einen bedeutenden kunsthandwerklichen Wert. Sie galten als Parameter für die gesellschaftliche Stellung einer Familie.

Die Reinigung eines solch reich dekorierten Ofens bedeutete oft mehrere Stunden Arbeit. Dazu verwendete man eine Mischung aus fein zerstoßener Asche und brachte die Oberfläche anschließend mit einer frisch geräucherten duftenden Speckschwarte zum Glänzen.

Arbeiter der Ofenmontage der Concordiahütte um 1900

Der Regulierfüllofen Nr. 24 besteht aus insgesamt vier Etagen. Auf dem Sockel mit ausgeformten Standfüßen und einer Bodenplatte ist die unterste Etage montiert, welche als Aschenfall dient und mit einem Aschenkasten versehen ist. Auf der Vorderseite befindet sich eine mit einem Bügelhebel verschließbare Aschentür, welche eine kreisrunde, durch einen Schraubverschluss zu schließende Öffnung zur Luftregulierung aufweist.

© Benedikt Rothkegel

© Benedikt Rothkegel

Die zweite und dritte Etage dienen als Feuerraum und sind daher mit Schamottesteinen ausgemauert. Auf der Vorderseite der zweiten Etage befindet sich eine durch einen Bügelhebel verschließbare Fülltür. Wie bereits die Aschentür in der unteren Etage hat auch diese Ofentür eine Vorrichtug zur Luftregulierung. Sie wird eingerahmt von zwei maskenartigen Kopfverzierungen und über der Fülltür ist die Produktionsnummer „Nr. 24“ eingraviert. Auf den seitlich angebrachten Platten und auf der Rückseite sind von Löwenköpfen eingerahmte Wappen zu erkennen.

Die seitlichen Wappen tragen die Inschrift „Muster, Schutz“ und das und das Rückseitige Wappen die Aufschrift „Concordia-Hütte“. Die Fülltür der dritten Etage ist mit Luftschlitzen versehen durch säulenartige Verzierungen eingerahmt. Auch diese Etage weist Wappen auf, welche die Firmeninhaber benennen „Gebr. Lossen“.

Die oberste Etage zeigt Motive aus dem Handwerk. Auf der vorderen Seite erkennbar sind zwei Schmiede und auf den Ofenseiten sind je zwei Böttcher bei der Arbeit dargestellt, wiederum eingerahmt von prunkvollen Säulenverzierungen. Auf der Rückseite der vierten Etage befindet sich der Ofenrohranschluss.

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Den oberen Abschluss des Ofens bildet ein dachähnlich geformter Rahmen, verziert mit einem Schindelmuster. Darunter ist ein Wasserbehälter eingesetzt. Die gewölbte Kuppel ist durchbrochen und an den vier Seitenmitten mit einer Wappenverzierung versehen. Den oberen Abschluss der Kuppel ziert ein Knauf.

Jede der vier Etagen besteht demnach aus vier inRahmen eingesetzten Ofenplatten. Die Seitenplatten sind mit Bügeln durch die Ecken der Stirn- und Rückseite gehalten. Die unteren drei Etagen werden durch vier unter der Bodenplatte verschraubte Eisenstäbe
fixiert. Die vierte Etage ist mit zwei Eisenstäben verschraubt. Der Rahmen, der Wasserbehälter und die Kuppel sind lose aufgesetzt.

Regulierfüllöfen arbeiten mit einem festen Brennstoff und sind auf Grund ihrer mehrfachen Regulierungsmöglichkeiten von Primär- und Sekundärluft für den Dauerbetrieb geeignet.
Die untere Fülltür ist für die vorübergehende Wärmezufuhr und die obere für stetige Heizung zuständig. Bei einer Dauerbenutzung wird die untere Fülltüröffnung mit einem einhängbaren Schamotterost verschlossen.
Die Heizkraft eines solchen Ofens beträgt ca. 75 Kubikmeter.

Objekt des Monats Juni „Schlangenvase in Eisenguss“

© Benedikt Rothkegel

Die sogenannte „Schlangenvase“, eine klassizistische schlichte Kratervase in Eisenguss, wird unseren Besuchern in der Interimsausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums in der „Krupp’schen Halle“ präsentiert. Sie stammt aus der Produktion der Sayner Hütte, modelliert nach einer Lithografie von Carl Osterwald.

Der damalige Hüttenbeamte Carl Osterwald hat die Schlangenvase für das im Jahr 1823 herausgebrachte „Musterbuch I“ der Sayner Hütte gezeichnet bzw. entworfen. Sein Bruder, der Künstler und Architekt, Georg Osterwald hat den Entwurf in Stein gesetzt, damit dieser dann im Steindruckverfahren (Lithografie) gedruckt werden konnte.

Der ausgebildete Zeichner Carl Friedrich Ferdinand Osterwald kam nach seiner Tätigkeit beim Oberbergamt in Bonn im Jahr 1818 nach Sayn und war fortan als Magazinverwalter auf der Sayner Hütte tätig. Am 25. Mai 1824 heiratete Carl Osterwald in Sayn Maria Elisabeth Ziliken, mit der er vier Kinder bekam. Im Jahr 1834 wechselte er aus finanziellen Gründen als Techniker in die benachbarte Maschinenfabrik d’Ester bzw. von Bleul. Nachdem sich Osterwald im Jahr 1865 ebenfalls sehr erfolgreich als Fotograf verwirklichte, starb er am 4. August 1868 im Alter von 75 Jahren in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

In den Musterbüchern der Sayner Hütte finden wir immer wieder von Carl Osterwald ausgeführte und signierte Zeichnungen, wie beispielsweise Wendeltreppen, Gitter und Tore, Grabmäler, klassizistische Ziervasen und Öfen. Die in den Musterbüchern der Sayner Hütte abgebildeten Produkte orientieren sich teilweise an dem 1821 herausgegebenen Vorlagenbuch der „Technischen Deputation für Gewerbe“ in Berlin. Die von Carl Osterwald gefertigte Zeichnung der Schlangenvase ist, bis auf die Gestaltung des Vasenhalses, identisch mit der von Johann Mathäus Mauch entworfenen Vase, welche in der „Zweiten Abtheilung“ des Berliner Vorlagenbuches abgedruckt ist.

Ebenfalls aus der Feder von Carl Osterwald stammt eine Lithografie aus dem Jahr 1830. Sie entstand nach der Fertigstellung der neuen Gießhalle nach Plänen von Carl Ludwig Althans und zeigt die „neue Gesamtansicht“ der Westseite der Sayner Hütte. Auch hier ist die berühmte Schlangenvase im Vordergrund links auf einem Mauervorsprung dargestellt. Der rechts im Bild sichtbare neugotische Baldachin stammt ebenfalls aus der Produktion der Sayner Hütte. Diese Zeichnung diente als Werbebild für die Eisenproduktion in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Die Schlangenvase besteht aus insgesamt sechs Teilen, einem Sockel mit Fuß, einem Vasenkörper und vier Eisenbändern. Auf dem quadratischen Sockel steht ein runder, leicht eingezogener Fuß der in den kelchförmigen Vasenkörper übergeht. Im unteren Drittel des Vasenkörpers befindet sich eine ornamentale Oberflächen- und Randverzierung, die sogenannte Eierleiste.

Von der Eierleiste ausgehend sind je zwei gegenständige, nach oben zusammenlaufende, runde Eisenbänder befestigt, welche in je drei „Schlangenrundungen“ über die Lippe der Vase hinweg nach innen gedreht sind. Somit entstehen je sechs gegenständige von innen nach außen kleiner werdende Rundungen.

Das untere Ende der Eisenbänder mündet jeweils in einer Art „Herz“. Den Übergang der Bänder über die Lippe verdeckt je ein palmettenverzierter ca. 10 cm breiter Eisenstreifen. Der Sockel und der Fuß sind in einem Guss und mit dem Vasenkörper durch eine kräftige Schraube verbunden. Die „Schlangen“ bestehen aus je zwei Teilen, dem unteren, bis zur Lippe, sowie dem ins Vaseninnere laufenden oberen Teil. Sie sind mit Stiften bzw. Schrauben am Vasenkörper befestigt.

Nach mündlicher Überlieferung ist diese Vase ein Original aus der Produktion der Sayner Hütte um 1825. Für einen späteren Nachguss sprächen die Schrauben zur Befestigung der Eisenbänder, sofern es sich nicht um spätere Restaurierungen des Originalgusses handelt. In ihrer ursprünglichen Funktion als klassizistische Ziervase stand diese Schlangenvase bis in das Jahr 1973 in Sayn auf einer Mauer zwischen dem Krupp`schen Erholungsheim und dem Direktorengebäude der Sayner Hütte.

Die Schlangenvase diente bis 2019 als Logo des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.

Objekt des Monats Mai „Preußische Adlerskulptur“

© Benedikt Rothkegel

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Bevor die Sayner Hütte im Jahr 1865 an Krupp verkauft wurde, war sie seit dem 1. Juli 1815 eine königlich-preußische Eisengießerei und damit ein staatlicher Eigenbetrieb des Königreiches Preußen. Sie war neben den Gießereien in Gleiwitz (Polen) und Berlin eine von nur drei preußischen Eisenhütten. Als Hoheitssymbol der preußischen Regierung unter König Friedrich Wilhelm II. wurden am Werkstor der Sayner Hütte auf zwei Pfeilern große gusseiserne Preußen-Adler mit einer Spannweite von einem Meter, einer Höhe von 85 Zentimetern und einem Gewicht von je 250 Kilo aufgestellt. Die beiden Adler waren in Kopfhaltung und Blickrichtung einander zugeneigt.

Als Wappentier Preußens erinnerten die beiden Portaladler stets an den staatlichen Eigentümer und damaligen Betreiber der Sayner Hütte, das Königreich Preußen. Die Adlertore waren lange Zeit auch der Eingang zur Scheckfabrik, die sich in der heutigen Krupp’schen Halle befand.

Die Adlerskulpturen sind abgebildet in zwei um das Jahr 1846 herausgegebenen Musterbüchern bzw. Katalogen der Sayner Hütte (Musterbuch 2 und 3). Daher geht man davon aus, dass sie auch in diesem Zeitraum in der Sayner Hütte hergestellt wurden.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Auf der Brunnensäule von Schloss Stolzenfels in Koblenz steht ein ähnlicher Adler, der in seinen Krallen zusätzlich ein Blitzbündel hält. Er wurde allerdings im Schwesterbetrieb der Sayner Hütte in der preußischen Eisengießerei in Berlin hergestellt.

Eine weitere in Berlin gefertigte preußische Adlerskulptur befindet sich unter dem Dach des Kölner Doms.

Die Adler der Sayner Hütte waren in einem äußerst desolaten Zustand und wurden im Jahr 2009 abgebaut. Mit großer finanzieller Unterstützung des Freundeskreises Sayner Hütte e.V. wurden Sie zur Restaurierung in die Werkstätte der Firma Haber & Brandner nach Regensburg gebracht und im Anschluss zur Fertigung von zwei originalgetreuen Nachgüssen in die Kunstgießerei Lauchhammer transportiert.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Im Jahre 2010 stellte man die beiden nachgegossenen Adler auf den restaurierten Pfeilern, deren historisches Ziegelmauerwerk inzwischen wieder freigelegt wurde, am Denkmalareal Sayner Hütte auf. Die Nachgüsse wurden mit einem Schutzanstrich in der Ursprungsfarbe schwarzgrau versehen und sind von den ursprünglichen Originalen nicht zu unterscheiden. Das von den beiden Adlern eingerahmte Werkstor wurde ebenfalls saniert.

Um die beiden aufwendig sanierten Originaladler nicht erneut der Witterung und schädlichen Umwelteinflüssen auszusetzen, wurden Sie bis November 2019 in der Dauerausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss Museums im Schloss Sayn ausgestellt. Heute kann man eine der beiden Adlerskulpturen in der Dauerausstellung in der Krupp’schen Halle bewundern. Der zweite Originaladler wird in Zukunft Teil der neuen Eisenkunstguss-Ausstellung im Arkadengebäude der Sayner Hütte sein.

Der preußische Adler findet sich im Übrigen auf zahlreichen Produkten der Sayner Hütte wieder. So beispielsweise auch auf einer gusseisernen Glocke aus dem Jahr 1833, welche in der Gießhalle ausgestellt ist. Es handelt sich dabei vermutlich um die einzige erhaltene gusseiserne Glocke der Sayner Hütte.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Adlerreliefs aus der Produktion der Sayner Hütte, die ebenfalls im Katalog abgebildet sind, wurden an den Toren der preußischen Festungen montiert. So ist auch auf der Festung Ehrenbreitstein ein Adlerrelief über dem Tor zum Hauptplatz der Festung zu erkennen.