Objekt des Monats


Objekt des Monats Juli „Regulier-Füllofen Nr. 24“ aus dem Jahr 1900

© Benedikt Rothkegel

Dieser vierstöckige, aufwendig verzierte Ofen mit Kuppel aus Eisenguss stammt aus der Produktion der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen und zählt heute zum Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.
Es handelt sich um einen sogenannten Regulierfüllofen, der unter der Nummer 24 im Produktkatalog der Concordiahütte aufgeführt wird. Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein Schwerpunkt in der Produktion Concordiahütte bei der Ofen- und Herdmontage. Im Bestand des Rheinischen
Eisenkunstguss-Museums befinden sich zahlreiche Produktkataloge, die von der großen
Vielfalt des Angebots zeugen. Neben der Funktion als Wärmespender hatten diese sehr dekorativen und aufwendig verzierten Öfen auch einen bedeutenden kunsthandwerklichen Wert. Sie galten als Parameter für die gesellschaftliche Stellung einer Familie.

Die Reinigung eines solch reich dekorierten Ofens bedeutete oft mehrere Stunden Arbeit. Dazu verwendete man eine Mischung aus fein zerstoßener Asche und brachte die Oberfläche anschließend mit einer frisch geräucherten duftenden Speckschwarte zum Glänzen.

Arbeiter der Ofenmontage der Concordiahütte um 1900

Der Regulierfüllofen Nr. 24 besteht aus insgesamt vier Etagen. Auf dem Sockel mit ausgeformten Standfüßen und einer Bodenplatte ist die unterste Etage montiert, welche als Aschenfall dient und mit einem Aschenkasten versehen ist. Auf der Vorderseite befindet sich eine mit einem Bügelhebel verschließbare Aschentür, welche eine kreisrunde, durch einen Schraubverschluss zu schließende Öffnung zur Luftregulierung aufweist.

© Benedikt Rothkegel

© Benedikt Rothkegel

Die zweite und dritte Etage dienen als Feuerraum und sind daher mit Schamottesteinen ausgemauert. Auf der Vorderseite der zweiten Etage befindet sich eine durch einen Bügelhebel verschließbare Fülltür. Wie bereits die Aschentür in der unteren Etage hat auch diese Ofentür eine Vorrichtug zur Luftregulierung. Sie wird eingerahmt von zwei maskenartigen Kopfverzierungen und über der Fülltür ist die Produktionsnummer „Nr. 24“ eingraviert. Auf den seitlich angebrachten Platten und auf der Rückseite sind von Löwenköpfen eingerahmte Wappen zu erkennen.

Die seitlichen Wappen tragen die Inschrift „Muster, Schutz“ und das und das Rückseitige Wappen die Aufschrift „Concordia-Hütte“. Die Fülltür der dritten Etage ist mit Luftschlitzen versehen durch säulenartige Verzierungen eingerahmt. Auch diese Etage weist Wappen auf, welche die Firmeninhaber benennen „Gebr. Lossen“.

Die oberste Etage zeigt Motive aus dem Handwerk. Auf der vorderen Seite erkennbar sind zwei Schmiede und auf den Ofenseiten sind je zwei Böttcher bei der Arbeit dargestellt, wiederum eingerahmt von prunkvollen Säulenverzierungen. Auf der Rückseite der vierten Etage befindet sich der Ofenrohranschluss.

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Den oberen Abschluss des Ofens bildet ein dachähnlich geformter Rahmen, verziert mit einem Schindelmuster. Darunter ist ein Wasserbehälter eingesetzt. Die gewölbte Kuppel ist durchbrochen und an den vier Seitenmitten mit einer Wappenverzierung versehen. Den oberen Abschluss der Kuppel ziert ein Knauf.

Jede der vier Etagen besteht demnach aus vier inRahmen eingesetzten Ofenplatten. Die Seitenplatten sind mit Bügeln durch die Ecken der Stirn- und Rückseite gehalten. Die unteren drei Etagen werden durch vier unter der Bodenplatte verschraubte Eisenstäbe
fixiert. Die vierte Etage ist mit zwei Eisenstäben verschraubt. Der Rahmen, der Wasserbehälter und die Kuppel sind lose aufgesetzt.

Regulierfüllöfen arbeiten mit einem festen Brennstoff und sind auf Grund ihrer mehrfachen Regulierungsmöglichkeiten von Primär- und Sekundärluft für den Dauerbetrieb geeignet.
Die untere Fülltür ist für die vorübergehende Wärmezufuhr und die obere für stetige Heizung zuständig. Bei einer Dauerbenutzung wird die untere Fülltüröffnung mit einem einhängbaren Schamotterost verschlossen.
Die Heizkraft eines solchen Ofens beträgt ca. 75 Kubikmeter.

Objekt des Monats Juni „Schlangenvase in Eisenguss“

© Benedikt Rothkegel

Die sogenannte „Schlangenvase“, eine klassizistische schlichte Kratervase in Eisenguss, wird unseren Besuchern in der Interimsausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums in der „Krupp’schen Halle“ präsentiert. Sie stammt aus der Produktion der Sayner Hütte, modelliert nach einer Lithografie von Carl Osterwald.

Der damalige Hüttenbeamte Carl Osterwald hat die Schlangenvase für das im Jahr 1823 herausgebrachte „Musterbuch I“ der Sayner Hütte gezeichnet bzw. entworfen. Sein Bruder, der Künstler und Architekt, Georg Osterwald hat den Entwurf in Stein gesetzt, damit dieser dann im Steindruckverfahren (Lithografie) gedruckt werden konnte.

Der ausgebildete Zeichner Carl Friedrich Ferdinand Osterwald kam nach seiner Tätigkeit beim Oberbergamt in Bonn im Jahr 1818 nach Sayn und war fortan als Magazinverwalter auf der Sayner Hütte tätig. Am 25. Mai 1824 heiratete Carl Osterwald in Sayn Maria Elisabeth Ziliken, mit der er vier Kinder bekam. Im Jahr 1834 wechselte er aus finanziellen Gründen als Techniker in die benachbarte Maschinenfabrik d’Ester bzw. von Bleul. Nachdem sich Osterwald im Jahr 1865 ebenfalls sehr erfolgreich als Fotograf verwirklichte, starb er am 4. August 1868 im Alter von 75 Jahren in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

In den Musterbüchern der Sayner Hütte finden wir immer wieder von Carl Osterwald ausgeführte und signierte Zeichnungen, wie beispielsweise Wendeltreppen, Gitter und Tore, Grabmäler, klassizistische Ziervasen und Öfen. Die in den Musterbüchern der Sayner Hütte abgebildeten Produkte orientieren sich teilweise an dem 1821 herausgegebenen Vorlagenbuch der „Technischen Deputation für Gewerbe“ in Berlin. Die von Carl Osterwald gefertigte Zeichnung der Schlangenvase ist, bis auf die Gestaltung des Vasenhalses, identisch mit der von Johann Mathäus Mauch entworfenen Vase, welche in der „Zweiten Abtheilung“ des Berliner Vorlagenbuches abgedruckt ist.

Ebenfalls aus der Feder von Carl Osterwald stammt eine Lithografie aus dem Jahr 1830. Sie entstand nach der Fertigstellung der neuen Gießhalle nach Plänen von Carl Ludwig Althans und zeigt die „neue Gesamtansicht“ der Westseite der Sayner Hütte. Auch hier ist die berühmte Schlangenvase im Vordergrund links auf einem Mauervorsprung dargestellt. Der rechts im Bild sichtbare neugotische Baldachin stammt ebenfalls aus der Produktion der Sayner Hütte. Diese Zeichnung diente als Werbebild für die Eisenproduktion in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Die Schlangenvase besteht aus insgesamt sechs Teilen, einem Sockel mit Fuß, einem Vasenkörper und vier Eisenbändern. Auf dem quadratischen Sockel steht ein runder, leicht eingezogener Fuß der in den kelchförmigen Vasenkörper übergeht. Im unteren Drittel des Vasenkörpers befindet sich eine ornamentale Oberflächen- und Randverzierung, die sogenannte Eierleiste.

Von der Eierleiste ausgehend sind je zwei gegenständige, nach oben zusammenlaufende, runde Eisenbänder befestigt, welche in je drei „Schlangenrundungen“ über die Lippe der Vase hinweg nach innen gedreht sind. Somit entstehen je sechs gegenständige von innen nach außen kleiner werdende Rundungen.

Das untere Ende der Eisenbänder mündet jeweils in einer Art „Herz“. Den Übergang der Bänder über die Lippe verdeckt je ein palmettenverzierter ca. 10 cm breiter Eisenstreifen. Der Sockel und der Fuß sind in einem Guss und mit dem Vasenkörper durch eine kräftige Schraube verbunden. Die „Schlangen“ bestehen aus je zwei Teilen, dem unteren, bis zur Lippe, sowie dem ins Vaseninnere laufenden oberen Teil. Sie sind mit Stiften bzw. Schrauben am Vasenkörper befestigt.

Nach mündlicher Überlieferung ist diese Vase ein Original aus der Produktion der Sayner Hütte um 1825. Für einen späteren Nachguss sprächen die Schrauben zur Befestigung der Eisenbänder, sofern es sich nicht um spätere Restaurierungen des Originalgusses handelt. In ihrer ursprünglichen Funktion als klassizistische Ziervase stand diese Schlangenvase bis in das Jahr 1973 in Sayn auf einer Mauer zwischen dem Krupp`schen Erholungsheim und dem Direktorengebäude der Sayner Hütte.

Die Schlangenvase diente bis 2019 als Logo des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.

Objekt des Monats Mai „Preußische Adlerskulptur“

© Benedikt Rothkegel

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Bevor die Sayner Hütte im Jahr 1865 an Krupp verkauft wurde, war sie seit dem 1. Juli 1815 eine königlich-preußische Eisengießerei und damit ein staatlicher Eigenbetrieb des Königreiches Preußen. Sie war neben den Gießereien in Gleiwitz (Polen) und Berlin eine von nur drei preußischen Eisenhütten. Als Hoheitssymbol der preußischen Regierung unter König Friedrich Wilhelm II. wurden am Werkstor der Sayner Hütte auf zwei Pfeilern große gusseiserne Preußen-Adler mit einer Spannweite von einem Meter, einer Höhe von 85 Zentimetern und einem Gewicht von je 250 Kilo aufgestellt. Die beiden Adler waren in Kopfhaltung und Blickrichtung einander zugeneigt.

Als Wappentier Preußens erinnerten die beiden Portaladler stets an den staatlichen Eigentümer und damaligen Betreiber der Sayner Hütte, das Königreich Preußen. Die Adlertore waren lange Zeit auch der Eingang zur Scheckfabrik, die sich in der heutigen Krupp’schen Halle befand.

Die Adlerskulpturen sind abgebildet in zwei um das Jahr 1846 herausgegebenen Musterbüchern bzw. Katalogen der Sayner Hütte (Musterbuch 2 und 3). Daher geht man davon aus, dass sie auch in diesem Zeitraum in der Sayner Hütte hergestellt wurden.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Auf der Brunnensäule von Schloss Stolzenfels in Koblenz steht ein ähnlicher Adler, der in seinen Krallen zusätzlich ein Blitzbündel hält. Er wurde allerdings im Schwesterbetrieb der Sayner Hütte in der preußischen Eisengießerei in Berlin hergestellt.

Eine weitere in Berlin gefertigte preußische Adlerskulptur befindet sich unter dem Dach des Kölner Doms.

Die Adler der Sayner Hütte waren in einem äußerst desolaten Zustand und wurden im Jahr 2009 abgebaut. Mit großer finanzieller Unterstützung des Freundeskreises Sayner Hütte e.V. wurden Sie zur Restaurierung in die Werkstätte der Firma Haber & Brandner nach Regensburg gebracht und im Anschluss zur Fertigung von zwei originalgetreuen Nachgüssen in die Kunstgießerei Lauchhammer transportiert.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Im Jahre 2010 stellte man die beiden nachgegossenen Adler auf den restaurierten Pfeilern, deren historisches Ziegelmauerwerk inzwischen wieder freigelegt wurde, am Denkmalareal Sayner Hütte auf. Die Nachgüsse wurden mit einem Schutzanstrich in der Ursprungsfarbe schwarzgrau versehen und sind von den ursprünglichen Originalen nicht zu unterscheiden. Das von den beiden Adlern eingerahmte Werkstor wurde ebenfalls saniert.

Um die beiden aufwendig sanierten Originaladler nicht erneut der Witterung und schädlichen Umwelteinflüssen auszusetzen, wurden Sie bis November 2019 in der Dauerausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss Museums im Schloss Sayn ausgestellt. Heute kann man eine der beiden Adlerskulpturen in der Dauerausstellung in der Krupp’schen Halle bewundern. Der zweite Originaladler wird in Zukunft Teil der neuen Eisenkunstguss-Ausstellung im Arkadengebäude der Sayner Hütte sein.

Der preußische Adler findet sich im Übrigen auf zahlreichen Produkten der Sayner Hütte wieder. So beispielsweise auch auf einer gusseisernen Glocke aus dem Jahr 1833, welche in der Gießhalle ausgestellt ist. Es handelt sich dabei vermutlich um die einzige erhaltene gusseiserne Glocke der Sayner Hütte.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Adlerreliefs aus der Produktion der Sayner Hütte, die ebenfalls im Katalog abgebildet sind, wurden an den Toren der preußischen Festungen montiert. So ist auch auf der Festung Ehrenbreitstein ein Adlerrelief über dem Tor zum Hauptplatz der Festung zu erkennen.