Objekt des Monats


Objekt des Monats Oktober 2021 „Der Hochofen der Sayner Hütte“

Die Eisen- und Stahlindustrie ist eine der weltweit bedeutendsten und der Tradition nach einer der ältesten Produktionszweige. Seit vor etwa 3000 Jahren das Eisen zu einer materiellen Grundlage der menschlichen Kultur und Zivilisation geworden ist, wurden die technischen Hilfsmittel zur Gewinnung des Eisens aus Erzen kontinuierlich weiterentwickelt. Gleichgeblieben ist die Problemstellung, mit Hilfe von Energie und durch eine Kombination verschiedenster Techniken den Rohstoff Eisenerz mittels der Reduktion von Eisenoxid zu Eisen für die wirtschaftliche Anwendung nutzbar zu machen. Dazu muss das Eisen von den übrigen Bestandteilen des Eisensteins und vom Sauerstoff getrennt werden. Dieser Vorgang nennt sich EISENVERHÜTTUNG.

Die Entwicklungsstufen der Eisengewinnung können anhand der Verhüttungsöfen für Eisenerze verfolgt werden.

Bis ins Mittelalter hinein nutze man sogenannte Rennfeuer oder Rennöfen zur Gewinnung von Eisen. Es handelte sich hierbei um niedrige Gruben- oder Schachtöfen aus Lehm, Bruchsteinen oder Findlingen. In ihnen wurden gereinigte, mit Holzkohle vermischte Eisenerze zu schmiedbarem Eisen reduziert. Dabei schmolz das dem Erz anhaftenden Fremdgestein und bildete die Schlacke, während das Eisen in fester Form reduziert wurde. Anfangs arbeiteten diese Öfen noch mit dem natürlichen Luftzug, später sorgten hand- oder fußbetriebene Blasebälge für den notwendigen Luftüberschuss. Als Ergebnis entstand eine sogenannte Luppe, ein Klumpen aus schmiedbarem Eisen und Restschlacken mit vereinzelt eingeschlossenen Erz- und Kohlestücken. Diese wurden gebrochen und die freigelegten Eisenstücke von Hand zusammen- und zu Gebrauchsgütern fertig geschmiedet.

Im 10. Jahrhundert revolutionierte das Wasserrad die Technik der Eisenerzeugung. Wasserkraft wurde ebenso bedeutsam wie die Nähe zu den Erzlagern. Auf Grund des höheren Luftdrucks der wasserradgetriebenen Blasebälge konnten wesentlich größere Öfen gebaut werden. Sie lieferten bis zu 100 kg schwere, ebenfalls aus schmiedbarem Eisen und Restschlacken bestehende, Luppen, sogenannte Wölfe oder Stücke, auf die die Bezeichnung „Stückofen“ zurückzuführen ist.

Die immer bessere Ausnutzung der Wärme führte im 12. Jahrhundert dazu, dass in den Öfen die Schmelztemperaturen der Eisenerze erreicht wurden. Mit diesem nun flüssigen Produkt beginnt die Entwicklung des Hochofens. Die Öfen, in denen das Roheisen erschmolzen wurde, bezeichnete man zunächst als Floßöfen. Mit zunehmender Größe und Höhe entwickelte sich der Begriff Hochofen. Die Hochöfen wurden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit Holzkohle betrieben.

Gegenüber dem früher im festen Zustand erzeugten Eisen war das erstarrte Roheisen wegen seines hohen Kohlenstoffgehaltes nicht schmiedbar. Man konnte dieses rohe Eisen erst einsetzen, wenn es, wie es damals hieß, „gereinigt“ oder „aufgefrischt“ worden war. Diesen Vorgang bezeichnete man daher damals wie heute als „Frischen“. Hierbei wurden und werden unter der Einwirkung von Luftüberschuss in der Hauptsache Kohlenstoff und weitere Begleitelemente herausgebrannt. Zur Herstellung eines geeigneten Fertigproduktes waren also nunmehr zwei Arbeitsgänge erforderlich, nämlich die Reduktion der Eisenerze zu Roheisen und anschließend das Frischen zu schmiedbarem Eisen. Der Frischvorgang wurde in sogenannten Frischfeuern durchgeführt.

Spuren der gewerbsmäßigen Roheisenerzeugung im Hochofen sind bis in den Anfang des 14. Jahrhunderts zu rückverfolgbar.

Modell der SH um 1800

Die Eisenverhüttung in Sayn begann im Jahr 1769/70 mit der Gründung Sayner Hütte durch den Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus. Gelegen in Hanglage am Unterlauf des Saynbachs in dem Gebiet zwischen dem Rhein und den großen Eisenerzvorkommen des vorderen Westerwaldes war der Standort prädestiniert zur Eisenverhüttung.

Zu Beginn bestand die Hütte aus einem Hochofen und vier Frischefeuern für zwei Grobhämmer. Im Jahr 1782 entstand ein zweiter Hochofen. Das Herzstück der ersten Sayner Hütte waren die Gebäude der Hochöfen und der Hammerwerke. Dieser Komplex erstreckte sich über zwei Ebenen über dem Ufer des aufgestauten Saynbaches mit dem Hüttenteich, dessen Wasser die Wasserräder der Hochöfen sowie die Hämmer antrieb. Die Hochofenhütte war an den Hang gebaut, so dass sie sowohl vom unteren Hüttenplatz als auch vom oberen Erzplatz zugänglich war. Der Zugang über zwei Ebenen war aus mehreren Gründen von Vorteil. So konnten beide Hochöfen von oben, der sogenannten Gichtbühne beschickt werden, während auf der unteren Arbeitsebene im Inneren der Hütte der Abstich erfolgte. Beim Abstich durchstößt der Schmelzer die mit Ton verschlossene Abstichöffnung in der Ofenbrust. Das Roheisen fließt in einen Graben. Die darauf schwimmende Schlacke wird abgeleitet.

Links und rechts eben den Hochöfen befanden sich die Radkammern. Hier arbeiteten im Wechsel je zwei wasserradbetriebene Blasebälge und garantieren eine regelmäßige Luftzufuhr.

Die beiden unter einem Dach liegenden Hochöfen hatten eine Gesamthöhe von etwa 6,20 m und sie entwickelten im Inneren eine Temperatur von 1.100 bis 1.600 Grad Celsius zur Verflüssigung des Eisens. Im Verlauf von 24 Stunden wurden die Öfen 14 Mal beschickt, woraus sich 3.500 Pfund Roheisen pro Tag ergaben. Im Jahr 1790 wurden insgesamt 1.000 Tonnen Roheisen in der Sayner Hütte gewonnen.

Modell der SH um 1800

Im Jahr 1830 mit dem Bau der neuen Gießhalle durch Carl Ludwig Althans entstand auch ein neuer Hochofen auf der Sayner Hütte. Er wurde wie seine beiden kleineren Vorgänger gegen den Berghang gebaut. Grund hierfür war, dass man an Höhe gewinnen wollte, um von der Hangseite aus über eine Brücke, die sogenannte Möllerbrücke unmittelbar die Gicht zu erreichen. Von oben, von der sogenannten Gichtbühne aus wurde der Hochofen mit Eisenstein, Kohle und Zusatzstoffen wie Kalk beschickt bzw. befüllt. Die Kohle wurde zum Heizen benötigt und der Kalk als Zusatzstoff hatte die Funktion, unerwünschte Bestandteile des Erzes in der Schlacke zu binden und die Schmelztemperatur zu senken. Sobald die Füllung niedergebrannt war, wurde der Hochofen erneut befüllt bzw. die nächste „Gicht“ aufgegeben.  Die wasserradbetriebene Gebläsemaschine sorgte dafür, dass der Hochofen regelmäßig mit Luft bzw. Sauerstoff versorgt wurde. Durch die Luftzufuhr stiegen die Temperaturen im Hochofen kontinuierlich an. Bei ca. 500°C gab das Eisen Sauerstoff ab (Reduktion) und bei ca. 1000°C verflüssigten sich die Zusatzstoffe. Bei etwa 1450°C schmolz das Eisen aus dem Gestein. Der Kalk bzw. die Zusatzstoffe verbanden sich mit den Gesteinsbestandteilen zu einer glasartigen Schlacke. Zusammen mit dem flüssigen Eisen fiel beides auf den Grund des Schmelzraumes, (Gestell) in den sogenannten Herd oder Vorherd. Das Eisen sank aufgrund seines spezifischen Gewichts herab, während die Schlacke obenauf schwamm. Beides konnte somit getrennt aus dem Ofen abfließen. Die Schlacke floss über den Wall so zu sagen von selbst ab. Das flüssige Eisen konnte zum Gießen kleinerer Gussstücke mit Handkellen aus dem Vorherd geschöpft werden. Das nicht vergossene Eisen, das sogenannte Roheisen ließ man durch eine Sand- bzw. Lehmrinne, in eine Bodenform, das Masselbett fließen und erkalten. Die erkalteten Roheisen-Masseln wurden weiterverkauft oder vor Ort in Flammöfen und Kupolöfen in schmiedbares Eisen umgeschmolzen. Im Flammofen hält der Schmelzer das Roheisen flüssig. Auf einem Rost am Ende des Ofens verbrennt die Kohle. Der Kohlenstoff im Roheisen wird mit Sauerstoff zu Kohlendioxid verbrannt, wodurch das Roheisen erst zu schmiedbarem Stahl wird. In den weit fortschrittlicheren englischen Gießereien war die Kombination von zwei Hochöfen und einem Flammofen üblich. Diese moderne Technik ist hier für Deutschland zum ersten Mal belegt.

Endprodukte des Schmelz- bzw. Verhüttungsprozesses sind Roheisen, Gichtgas und Schlacke. Aus Schlacke werden beispielsweise Hüttenzement und Bausteine hergestellt.

Der Hochofen in Sayn produzierte ab dem Jahr 1830 pro Woche 470-480 Zentner Eisen (24-25 t bzw. 36 t), davon 1/3 Gusswaren, 2/3 Roheisen. Täglich wurde zweimal um 11 Uhr und um 18 Uhr gegossen.  Das Roheisen konnte aufgrund seines hohen Kohlenstoffanteils von 2,2-5 % nicht geschmiedet, sondern nur als sogenanntes Gusseisen in Formen gegossen werden. Der Gießer füllt die aus Lehm oder Sand gefertigten Gussformen mit flüssigem Eisen.


Planzeichnung aus dem Archiv des Deutschen Museums in München (Mappe: TZ 3193-3199 Dt. Mus. CD_72922 / Plan Nr. 003194) zeigt den Längsschnitt und den Durchschnitt des Hochofenbereichs und der Möllerebene mit Hochofen, Flaschenzug Gichtbühne nach der Planung von Althans, 1830

Baubestandszeichnung aus dem Archiv des Deutschen Museums in München (Mappe TZ 3193-3199; Dt. Mus. CD_72925 / Plan Nr. 003197) zeigt den Längenschnitt der 6-jochigen Gießhalle mit Möllerbrücke, Hochofen, Dammgrube, Gießhalle (mit Kranbahn und Schwenkkrän

Das Eisen wurde in den Hochofen also nicht in reiner Form, sondern als Eisenstein bzw. Eisenerz eingebracht. Eisenerze enthalten das Eisen in Form verschiedener Eisenoxide. Der Hochofen diente in erster Linie dazu, chemische Reaktionen in Gang zu setzen, um dem Eisenoxid den Sauerstoff zu entziehen (= Reduktion). Der in den Hochofen eingeblasene Wind trifft im unteren Teil des Hochofens aufglühende Kohle oder Koks. Aus dem Sauerstoff der Luft und dem Kohlenstoff des Brennmaterials entsteht bei hohen Temperaturen Kohlenmonoxid (CO). Dieses Gas ist hochbrennbar und ergänzt sich im Hochofen zu Kohlendioxid (CO2). Den hierzu benötigten Sauerstoff entzieht es den Eisenerzen. Aus dem Eisenoxid wird reines Eisen, das sich bei den hohen Temperaturen verflüssigt.

Der ursprünglich etwa 10 Meter (34 rheinische Fuß) hohe Hochofen, von dem heute nur noch ein Teil erhalten ist, war mehrschichtig aufgebaut. Der äußere Mantel, das sogenannte Raugemäuer bestand aus Schiefergestein, es folgte eine Sandschicht sowie eine weitere Schicht Schiefergestein. Nach Innen war der Hochofen ursprünglich im Wechsel mit einer Schicht feuerfester Schamott- bzw. Tonsteine aus der Produktion der Firma Susewind in Sayn, Sand aus nahegelegenen Vorkommen („Meisenhöfer Sand“ aus Sayn) und wiederum feuerfesten Steinen ausgekleidet. Die jeweils letzte Stein- und Sandschicht ist heute allerdings nicht mehr erhalten. Der gesamte Schichtaufbau des Hochofens lagerte auf Eisenträgern sowie auf dem massiven Raugemäuer. Der untere Teil bis an die Form sowie der Tümpelstein bestanden aus feuerfesten Sandsteinen, die bei der Entkernung des Hochofens 2017/18 im Umgang des Hochofens vermutlich teilweise wieder entdeckt wurden. Der Hochofen selbst war dabei von der Tragkonstruktion des Hochofengebäudes getrennt. Der ursprüngliche Innendurchmesser des Hochofens betrug etwa 2,30 m.

Hochofen der Sayner Hütte mit Winderhitzer

1834 wurde der Hochofen umgebaut und auf die Nutzung des Gichtgases für die Luft- bzw. Winderhitzung umgestellt. Am 2.7.1834 wurde der Winderhitzer in Sayn baulich fertig gestellt. Es handelt sich dabei um eine Konstruktion, die auf der Gicht des Hochofens angebracht wurde und die warme Luft des Hochofens nutzte. Das aus dem Hochofen während der Verhüttungsprozesses aufsteigende heiße Gichtgas erwärmte die durch die Röhren des Windererhitzers durchgeleitete kalte Gebläseluft. Er kann als Vorgänger des modernen Cowpers   angesehen werden. Vorteile waren, dass die Schmelzung schneller erfolgt, also in der Hälfte der Zeit, als mit kalter Luft, außerdem sparte man für Roheisenerzeugung etwa 30% Holzkohle und 6% Eisenstein.

Wohl im Zusammenhang mit dem Einbau des Winderhitzers und der dazugehörenden Windleitungen wurde der Hochofen wahrscheinlich umgebaut. Es lassen sich gusseiserne Säulen im Bereich des Gestells feststellen, die auf keiner Planzeichnung zum Bau des Hochofens und der Gießhalle von 1830 nachweisbar sind. Mit der Erweiterung der Gießhalle 1845 wurde der Hochofen dann außerdem von Holzkohle auf Koks umgestellt. Ab dem Jahr 1878 wurde der Hochofenbetrieb eingestellt und die Sayner Hütte fortan als Gießerei und mechanische Werkstatt genutzt. Das Roheisen wurde seither nur in den Hochöfen der Mülhofener Hütte erschmolzen.

Hochofenruine, 1974

Nach Schließung der Sayner Hütte 1926 war die Gießhalle mit dem Hochofen dem Verfall ausgesetzt. Erst ab dem Jahr 1976 mit dem Erwerb der Hütte durch die Firma Strüder begann ein erster Wiederaufbau bzw. erste Restaurierungen der noch bestehenden Fragmente.

Zwischen den Jahren 2011 und 2018 wurden Gießhalle und Hochofengebäude erneut umfassend saniert und mittels einer multimedialen Inszenierung wird den Gästen der Sayner Hütte der Verhüttungsprozess von Eisen nun ganz realistisch nahegebracht.

Objekt des Monats März 2021 „Das letzte Abendmahl„, Eisengussrelief

Das letzte Abendmahl, Eisengussrelief, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Bei unserem Objekt des Monats März 2021 handelt es sich um ein Eisengussrelief mit der Darstellung des letzten Abendmahls nach dem Gemälde „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Das ursprüngliche Modell erstellte der Modelleur Leonhard Posch (1750-1831) für die Königlich-preußischen Eisengießereien in Gleiwitz, Berlin und in Sayn.

Das seit seiner Vollendung im Jahr 1498 berühmte und durch zahlreiche Stiche und Kopien bekannt gewordene Gemälde mit dem italienischen Originaltitel „Il Cenacolo“ bzw. „L’Ultima“ von Leonardo da Vinci (1452-1519) hatte auch im 19. Jahrhundert nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Gemalt auf die Hauptwand des Refektoriums der Mönche des Klosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, war es schon frühzeitig verfallen. Goethe spricht 1817 von einem „dreihundertjährigen Leichnam“. Der Kupferstich von Raffael Morghen gilt als eine der besten Wiedergaben dieses Bildes. Der Modelleur Leonhard Posch benutzte ihn als Vorlage für seine „Abendmahl“-Modelle sowie für die Modellierung der einzelnen Jünger- bzw. Apostelköpfe. Das „Abendmahl“ wurde 1823 in der königlich-preußischen Eisengießerei in Berlin zum ersten Mal gegossen. Ein Exemplar erhielt König Friedrich Wilhelm III. als Neujahrsgruß im Jahr 1824.

Das Motiv wurde in verschiedenen Formaten produziert und von zahlreichen Gießereien nachgegossen, so auch noch bis in die 1980er-Jahre in der Kunstgießerei der Concordia-Hütte in Bendorf-Mülhofen. Das Relief gehört zum Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.

Als Abendmahl Jesu, auch letztes Abendmahl wird jenes Mahl bezeichnet, das Jesus Christus mit den zwölf Aposteln zur Zeit des Pessachfestes vor seinem Kreuzestod in Jerusalem feierte. Es wird in die Amtszeit von Pontius Pilatus, der 26–36 römischer Statthalter in Judäa war, datiert. Aus der Erinnerung an jene letzte Mahlzeit, dem ritualisierten Ablauf einer jüdischen Mahlzeit und den gemeinsamen Mahlfeiern der Urgemeinde entwickelten sich christliche Kultformen.

Original Gemälde, Foto: Von Paris Orlando – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84332110

Zentrales Ereignis dieser letzten gemeinsamen Mahlzeit war, dass Jesus nach jüdischem Brauch für seine Jünger das Brot brach und den Wein austeilte. Seit dem 2. Jahrhundert wurde diese Handlung als Eucharistie bezeichnet. Das Teilen von Brot und Wein wurde in den liturgischen Ablauf der christlichen Eucharistiefeier bzw. Abendmahlfeier übernommen. Die Bezeichnung Abendmahl stammt aus der Lutherbibel und sie war der Antike unbekannt.

Der Gründonnerstag steht also ganz im Zeichen des Abschieds Jesu. Zum letzten Mal vor seinem Leiden und Sterben kommt er am Abend mit seinen zwölf Jüngern zusammen. Dabei stehen zwei außerordentliche Symbolhandlungen im Fokus, die Teil des Vermächtnisses Christi sind: das gemeinsame Mahl und die Fußwaschung der Jünger. Genau diese beiden Handlungen rückt auch die Kirche bei der Liturgie am Gründonnerstagabend in den Mittelpunkt. Die Messe vom letzten Abendmahl bildet dabei den Auftakt zum Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres: zum sogenannten „Triduum Sacrum“, den „Heiligen Drei Tagen von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn“, die in der Osternacht gipfeln.

Bildnismedaillon von Lenhard Posch, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Zeitgleich mit der Eröffnung der königlich-preußischen Eisengießerei in Berlin im Jahr 1804 kam der Tiroler Medailleur und Bildhauer Leonhard Posch (* 7. November 1750 in Fügen, Österreich; † 1. Juli 1831 in Berlin) nach Berlin. Er porträtierte die Berühmtheiten aus der Zeit der Befreiungskriege in Wachs. Die danach gefertigten Modelle für Bildnismedaillons, Plaketten und Reliefs wurden in allen drei königlich-preußischen Gießereien in Gleiwitz, Berlin und Sayn abgegossen.

Neben den Herrschern, insbesondere der preußischen Königsfamilie, Feldherren und hohen Beamten war es vor allem das „Letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci, das Leonhard Posch im Jahr 1822 nach einem Kupferstich von Raffael Morghen, schuf.

Im Jahr 1816, ein Jahr nachdem die Sayner Hütte preußisch wurde, wurde Leonhard Posch Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Ein Jahr später wurde in Sayn eine Kunstgießerei errichtet und die Verwaltung der Modellkammer wurde dem Hüttenbeamten und Zeichner Karl Osterwald übertragen. Zwar hatte man sich in der Sayner Hütte mit dem Berliner Heinrich Zumpft einen eigenen Modelleur, doch kamen durch die Vermittlung der zentralen Hüttenbehörde auch Modelle von Leonhard Posch ins Rheinland.

Leonhard Posch revolutionierte mit seinen außergewöhnlichen und lebensnahen Modellen den Eisenkunstguss in der Fachrichtung der Bildnismedaillons. Bis hin zu seinem Tod schuf er mehr als 200 Bildnismodelle, die vorwiegend für die königliche Eisengießerei Berlin und für die Gleiwitzer Hütte gedacht waren. Der Bedarf an zeitgenössischen Bildnissen war gigantisch. Neben Mitgliedern der Fürstenhäuser, erfolgreichen Militärs, Philosophen und Künstlern waren seinerzeit sakrale Motive sehr populär. Im Jahr 1816 wurde Posch zum akademischen Künstler ernannt und 1827 wurde er als oberstes Mitglied in die Akademie der Künste aufgenommen.

Objekt des Monats Februar 2021 „Tafelherd mit Wärmeofen und Reguliervorrichtung Nr. 7, Concordia-Hütte

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Unser Objekt des Monats Februar 2021, der „Tafelherd mit Wärmeofen und Reguliervorrichtung Nr. 7“ aus Eisenguss wurde um das Jahr 1900 in der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen gefertigt und zählt zum Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums (REM Inv. Nr. 4.431).

Es handelt sich um eine sogenannte Kochmaschine, die unter der Nummer 7 im Produktkatalog der Concordiahütte aufgeführt wird. Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein Schwerpunkt in der Produktion der Concordiahütte bei der Ofen- und Herdmontage.

Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum

Nachdem der Mensch gelernt hatte, mit dem Feuer umzugehen und seine beiden gleichzeitig auftretenden Eigenschaften, nämlich Licht und Wärme, zu nutzen, begann die rasante Entwicklung der Heiz- und Kochtechnik. Vom offenen Feuer hin zu modernster Technik spielte die Fertigung gusseiserner Herde und Öfen eine bedeutende Rolle. Aus dem primitiven Feuerloch und der ebenerdigen Feuerstelle entwickelten sich die unterschiedlichsten Öfen und Herde zum Heizen und Kochen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es gusseiserne Herde in unzähligen Größen und Formen. Sie wurden teilweise aufwendig verziert und als dekorative Möbelstücke behandelt.

Im Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums befinden sich zahlreiche Produktkataloge, die von der großen Vielfalt des Angebots zeugen.

Dieser Tafelherd Nr. 7 weist zwei Etagen auf und er besteht aus einem Rahmen mit Bodenplatte, montiert auf vier angeschraubten Füßen. Jede Etage besteht aus vier Platten. Dabei werden die Seitenplatten durch Führungsstege der Stirn- und Rückseite gehalten. Die Platten sind im Rahmen eingesetzt. In den vier Ecken durch den Herdplattenrahmen geführte und unter der Bodenplatte zusammen mit den Füßen verschraubte Rundeisenstäbe dienen zusätzlich als Halt. Die Verkleidung für den Bratofen und den Aschenfall wird durch Aussparungen in der Rückwand gehalten.

Wäremofen, Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum

Die untere Etage dient als Wärmeofen zum Warmhalten von Speisen. Sie ist ausgestattet mit zwei Türen, verschließbar mittels innerer Einhängeverschlüsse, und einer oberen Abdeckplatte mit einer rechteckigen, durch eine Platte verschließbaren Öffnung.

In der oberen Etage befindet sich der eigentliche Backofen, auch Backröhre oder Bratröhre genannt. Es handelt sich um einen abgetrennten Raum im Herd, der bei der sogenannten Langbefeuerung mit den heißen Rauchgasen umgeben wird. Die Bratofentür ist mittels eines Einhängeverschluß verschließbar. Zudem verfügt die obere Etage über eine mit einem Bügelhebel verschließbare Fülltür über die das Brennmaterial zur Befeuerung in den Herd gelangt sowie über einen Aschekasten direkt darunter, dessen Tür ebenfalls über einen Bügelhebelverschluss verfügt. Die Füll- und Aschentür weisen zudem jeweils eine kreisrunde, durch einen Schraubverschluss zu schließende Öffnung zur Luftregulierung auf. Alle Türgriffknöpfe sind aus weißglasierter Keramik gefertigt. Die Feuerstelle ist innen mit Schamotte ausgemauert.

Backröhre/Bratofen, Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum
Füll- und Aschetür, Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum

In die obere Herdplatte integriert sind der Kochplattenrahmen mit Einlegeplatten, ein ovaler Ofenrohranschluss sowie eine Wasserkastenaussparung. Ineinander gelegte Ringe und eingeschliffene Platten sorgen für ein Kochen ohne direkten Feuerkontakt. Während Öfen ihre Hitze über eine möglichst große Oberfläche in den Raum abstrahlen sollen, wurden die Kochherde mit dem Ziel gebaut, für die Zubereitung der Nahrungsmittel mit wenig Brennmaterial Hitze an eine möglichst große Kochfläche weiterzugeben.

Wasserschiff, Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum
Reeling mit Kellem, Foto: Rheinisches-Eisenkunstguss-Museum

Die Kochmaschinen arbeiteten alle nach dem Prinzip der Flachbefeuerung, bei der die heißen Rauchgase waagerecht in einen möglichst breiten und langen, aber nur sehr flachen Feuerungsraum unter der Herdplatte entlangstrichen. Auffällig sind einige Messingteile am Herd, nämlich der Wasserkasten mit Deckel und die Reling, eine an den Seiten und an der Vorderseite umlaufende, unter dem Rahmen festgeschraubte Messingstange. War ein sogenanntes Wasserschiff im Herd integriert, so wurde mit diesem der Heißwasserbedarf eines Haushalts gedeckt. Es trug in Frankreich und den Anrainerstaaten so malerische Namen wie „Bain-Marie“. Um das Jahr 1870 konnte sich dieser typische Eisengussherd mit Platten, Wasserschiff und eingebautem Backofen etablieren. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde er dann nicht nur heiztechnisch weiterentwickelt, sondern es änderte sich neben seinem Aufbau auch das Design.

Anstelle von gusseisernen Platten erhielt der innen mit Schamotte ausgekleidete Kernherd außen einen Mantel aus dünnen Eisenblechen, die zum Schutz gegen Korrosion emailliert oder gefliest waren. Die durch die Ummantelung entstandene isolierende Luftschicht erhöhte die Wärmeentwicklung in Richtung der Herdplatten und des Backofens und schützte gleichzeitig vor Verbrennungen. In einfacher Ausführung waren diese Bleche einfarbig emailliert, bei anspruchsvollen Herden wurden Keramikfliesen in allen Dekors imitiert, z.B. mit Blumen, Windmühlen, Winterlandschaften oder geometrischen Mustern. Außerdem wurden die noch sichtbaren Eisenteile, beispielsweise an Türen oder Füßen nunmehr vernickelt und später verchromt.

Herdlager von weiß emaillierten Herden in der Concordiahütte, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Emaillierter Herd mit Blumenmuster, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Die Unterversorgung mit Öfen und Herden nach dem verlorenen Krieg war für die deutsche Wirtschaft ein elementares Problem. Mit dem Bergbau Punkteprogramm kam 1947 der Zwang, so schnell wie möglich für die Bevölkerung Öfen und Herde zu produzieren. Der nächste Boom in der Ofen- und Herdproduktion bahnte sich an. Typenvielfalt, neue Technik und Optik prägten diese Zeit. Seit 1949 hatte der Backofen unter der Feuerung die Feuerung neben dem Backofen abgelöst. Bereits Anfang der 1960er Jahre begann die gute alte Kochmaschine gänzlich vom Markt zu verschwinden. Man kochte fortan mehr und mehr mit Gas- und Elektroenergie.

Objekt des Monats Januar 2021 „Die erste Sayner Neujahrsplakette von 1819“

Die erste Sayner Neujahrsplakette von 1819, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Unser Objekt des Monats Januar 2021 ist die anlässlich des Neujahrsfestes 1819 erstmals von der Sayner Hütte herausgegebene sogenannte „Sayner Neujahrsplakette“. Ihr Motiv zeigt die vielfältige Produktpalette der Sayner Hütte von Rüstungs- und Industriegütern bis hin zum filigranen Eisenkunstguss. Auf einem aufgerollten Plan erkennbar ist die sogenannte Schienenfahrt, einem von der Sayner Hütte produzierten Schienenweg zum Materialtransport vom Rheinufer hinauf zur Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Außerdem abgebildet sind Geschütze und Kanonenkugeln, eine Glocke sowie aus der Produktion der Kunst- bzw. Tiegelgießerei ein Altarkruzifix und ein Bildnismedaillon. Mittig platziert sind in einem Ahornkranz das Bergbausymbol (Eisen und Schlägel gekreuzt) sowie der Bergmannsgruß „Glück auf!“ erkennbar. Die originale Plakette von 1819 befindet sich als Leihgabe des Röntgen Museums Neuwied in der Sammlung des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.

Wie in den preußischen Eisengießereien in Gleiwitz und Berlin wurden auch in Sayn, auf Anregung der Oberberghauptmannschaft, zwischen 1819 und 1865 jeweils zum neuen Jahr Reliefplaketten in seidengefütterten roten Lederetuis mit beigefügtem Erklärungstext an Beamte, Geschäftsfreunde und Kunden mit Glückwünschen und Empfehlungen versandt. Man nannte diese Plaketten „Neujahrskarten“. Den Brauch zum Neujahr an besondere Persönlichkeiten Medaillons zu verschenken – und in diesen Zusammenhang können auch die Neujahrskarten der königlich preußischen Eisengießereien gesehen werden, auch wenn sie ein rechteckiges Format haben – kennen wir aus der Numismatik und speziell aus der Gattung der römischen Medaillons. Sie dienten damals den Kaisern bei festlichen Anlässen und insbesondere am Neujahrstag als Geschenke an hochgestellte oder dem Kaiserhaus nahestehende Personen. Sie wurden im römischen Münzamt mit besonderer Sorgfalt angefertigt. Seit dem 17. Jahrhundert verbreiten sich in Deutschland immer mehr Neujahrsmünzen mit meist allegorischen oder biblischen Darstellungen wie die Neujahrsgulden, die die Stadt Würzburg dem Landesherrn zum Geschenk gab.

Sayner Neujahrsplakette, 1858: Kapitelskirche zu Kleve mit Etui, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Sayner Neujahrsplakette, 1851: Kirche zu Werden an der Ruhr mit Etui, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Während die Berliner und die Gleiwitzer Gießerei herausragende Güsse des vergangenen Jahres abbildete, wählte die Sayner Hütte mit Ausnahme der ersten und der dritten Neujahrsplakette als Motiv ein Bau- oder Kunstdenkmal des Rheinlandes oder Westfalens. Während man anfangs noch einige Denkmäler der Antike als Relief für die Neujahrsplaketten umsetzte (Neujahrsplaketten der Jahre 1822, 1824, 1833), verlagerte sich schließlich der Schwerpunkt der in Eisen gegossenen Motive auf das im Zuge der („Rhein“-) Romantik immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückte Mittelalter. Einerseits bildeten die Neujahrsplaketten berühmte Kirchenbauten des Mittelalters, wie beispielsweise die romanischen Kirchen St. Aposteln, St. Gereon und St. Kunibert in Köln, andererseits im neugotischen Stil neu erbaute (St. Apollinaris) bzw. wiederaufgebaute (Königsstuhl in Rhens) oder sogar weitergebaute (Kölner Dom) Baudenkmäler ab.

Carl Osterwald, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Der Entwurf zu der ersten Sayner Neujahrsplakette aus dem Jahr 1819 stammt von dem Hüttenbeamten Carl Osterwald. Der ausgebildete Zeichner Carl Friedrich Ferdinand Osterwald wurde am 20.10.1793 in Rinteln als zweites Kind seiner Eltern geboren. Er besuchte von 1809 bis 1810 die Rintelner Universität und ging 1811 für zwei Jahre nach Clausthal, wo er in den bergmännischen Wissenschaften unterrichtet wurde. Als Bergalumnus ausgebildet wurde er in der Grafschaft Schaumburg in Obernkirchen am Steinkohlewerk tätig. Ab 1815 besuchte Carl Osterwald die Kasseler Kunstakademie und unterrichtete als Zeichenlehrer am Gymnasium in Rinteln. 1818 kam er als Bergoffiziant an das Bonner Oberbergamt und holte seinen jüngeren Bruder Georg als Gehilfen an die dortige Zeichenkammer. Nach seiner Tätigkeit beim Oberbergamt kam er im Jahr 1818 nach Sayn und war fortan als Magazinverwalter auf der Sayner Hütte tätig. Im Jahr 1822 übernahm er gemeinsam mit Heinrich Zumpft die Aufsicht über die Modellkammer der königlich preußischen Sayner Hütte.

In den Musterbüchern der Sayner Hütte finden wir von Carl Osterwald ausgeführte und signierte Zeichnungen, wie beispielsweise Wendeltreppen, Gitter und Tore, Grabmäler, klassizistische Ziervasen und Öfen. 1834 wechselt Karl Osterwald aus finanziellen Gründen als Techniker in die benachbarte Maschinenfabrik d’Ester bzw. von Bleul. Von seinem Bruder Georg Osterwald stammen ebenfalls zahlreiche Zeichnungen für die Modellwerkstatt der Sayner Hütte. So stammen die Entwürfe für die Neujahrsplaketten der Jahre 1831, 1832 und 1834 mit Darstellungen der Kirche zu Münstermaifeld, der Kirche zu Andernach und der Ruine Heisterbach von ihm.

Sayner Neujahrsplakette, 1831, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Sayner Neujahrsplakette, 1820, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Modelliert wurde die erste Neujahrsplakette des Jahres 1819 vermutlich von Johann Heinrich Zumpft. Zumpft war seit Anfang 1813 auf der Munitionsgießerei der Berliner Eisengießerei tätig. Am 14.10.1821 heiratet er bereits umgesiedelt nach Sayn Wilhelmine Auguste Adler (* 2.8.1802 Berlin, + 29.5.1838 Sayn). Im Jahr 1822 wurde Zumpft, der unter Leonhard Posch in Berlin gelernt hat, erster Modelleur für Eisenkunstguss in der unter der Leitung des Hütteninspektors Carl Ludwig Althans neu errichteten Tiegelgießerei der Sayner Hütte und damit mit den „feinen Modelleur-Arbeiten“ betraut. Zumpft’s Lehrmeister Leonhard Possch lieferte den Entwurf die Neujahrsplakette des Jahres 1820, auf welcher der Kölner Dom mit Umgebung dargestellt ist.

Nach 25 Jahren im Staatsdienst ohne Pensionsaussichten und durch nachlassende Sehkraft nahezu erwerbsunfähig, eröffnet Zumpft am 1.Januar 1838 das „Gasthaus zur Saynerhütte“ (heutige Koblenz-Olper-Str. 177) um seinen 13-köpfigen Haushalt weiterhin versorgen zu können. Bis ins Jahr 1846 betreibt Heinrich Zumpft seine Gaststätte und verlässt dann Sayn, um nach Homburg (heute Bad Homburg) zu ziehen. Seine Spuren verlaufen sich dann im Jahr 1875 in Kassel, wo er im Jahr 1878 gestorben sein soll. Das Haus Zumpfts ersteigert im Jahre 1848 der Geheime Bergrat Carl Ludwig Althans und wohnt dort bis zu seinem Tode am 10. Oktober 1864. Die Nachfolge von Heinrich Zumpft als Chefmodelleure in der Tiegelgießerei der Sayner Hütte traten zwischen 1836 und 1841 der Goldschmied und Ziseleur Carl Christian Cramer und von 1842 bis 1865 Samuel Weigelt an, die fortan die Modelle zu den Sayner Neujahrsplaketten schufen.

Objekt des Monats Dezember 2020 „gusseiserner Christbaumständer“

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Beachtet wird er meist nicht, oftmals verborgen unter einem Berg von Geschenken steht er im Schatten des Weihnachtsbaumes, und doch ist er unverzichtbar. Der Christbaumständer!

Das Weihnachtsfest wie wir es heute feiern, entwickelte sich erst allmählich vom kirchlichen Fest zum traditionellen Fest der Familie. Mit der Verbreitung des Christbaumes als zentrales weihnachtliches Festelement gewann auch die Optik des Christbaumständers zunehmend an Bedeutung. Mehr und mehr mauserte sich der Christbaumständer vom tauglichen Gebrauchsgegenstand hin zu einem Kunst- und Schmuckobjekt.

Überlieferungen zu Folge gab es bereits im Jahr 1604 einen ersten Hinweis darauf, dass es geschmückte, in einem Ständer befestigte Christbäume gab. Jedoch gingen die Dokumente darüber im zweiten Weltkrieg verloren und somit ist heute keinerlei Information mehr über die Beschaffenheit dieser Christbaumständer bekannt. „Man pflegt drum ein viereckent Ramen zu machen…….“ wird in einem ersten schriftlichen und oft zitierten Beleg aus dem Elsass im Jahre 1605 erwähnt. Man geht davon aus, dass diese leider unvollendete und inzwischen verloren gegangene Aufzeichnung die Art und Weise der ersten Baumbefestigungen betraf. So war es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts auch üblich, den Christbaum mittels eines Balkens und eines Hakens an der Zimmerdecke zu befestigen. Aus Knobelsdorf im Landkreis Saalfeld in Thüringen ist ein solcher Weihnachtsbaum dokumentiert. Die umgekehrte Hängung mit der Spitze nach unten war ebenso bekannt.

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Die ersten Varianten von Christbaumständern, von denen man heute mit Sicherheit berichten kann, bestanden aus Holz. Im 18. Jahrhundert entstanden einfache Modelle als genagelte Holzkreuze, kleine Standbrettchen oder Holzschemel, in dessen Griffloch der Baumstamm Halt fand. Die einfachste Methode war damals das Einkeilen des Baumes in einen Holzklotz. Aber auch das heute noch bekannte Holzkreuz mit mittiger Bohrung kam häufig zum Einsatz.

Die große Blütezeit der Christbaumständer begann mit der Verwendung von Metallen. Erste einfache Modelle entstanden in kleineren Betrieben aus Bandeisen, Rundeisen, Schmiedeeisen oder Blechen.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte der Eisenkunstguss den Artikel „Christbaumständer“ als vielversprechenden Absatzmarkt. Die Herstellung von Christbaumständern gehörte über viele Jahrzehnte zu den wichtigen Produktionen der Eisengießereien. Eisen war das willkommene Material, um Gebrauchszweck und künstlerischen Anspruch zu vereinen.

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Im Jahr 1866 goss die Firma Rödinghausen den ersten Christbaumständer aus Eisen und ließ sich diese Erfindung patentieren. Diese gusseisernen Modelle lieferten die Grundidee für die heutigen Christbaumständer. Sie bestanden aus zwei Teilen: Das Grundelement als Basis und die Halterung in Form eines kleinen Rohres. Zum Zentrieren und Befestigen gab es am oberen Rand Schrauben.

Fast alle namhaften Firmen der Eisenindustrie führten eine beachtliche Auswahl in ihren Katalogen und Lieferprogrammen, so auch die Sayner Hütte und die Concordia-Hütte in Bendorf-Mülhofen. Nur wenige Eisengießereien kennzeichneten jedoch ihre Produkte mit ihrem Firmenstempel. Die meisten Objekte sind unsigniert bzw. nur mit einer Artikel-Nummer versehen. So haben auch die im Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums befindlichen Modelle keine Signatur.

Im Jahr 2015 machte das Rheinische Eisenkunstguss-Museum den Christbaumständer zum Mittelpunkt seiner weihnachtlichen Sonderausstellung „Mariechen der Baum steht schief“. Damals stellte die Privatsammlerin Rita Breuer aus Wenden dem Museum leihweise eine Vielzahl unterschiedlichster Christbaumständer zur Verfügung. Sie recherchierte über seine Geschichte, die anhand der zahlreichen Exponate anschaulich und umfassend dokumentiert wurde.

Während die frühen Modelle noch bescheiden Baumwurzeln imitierten und als platzsparend zerlegbare Dreibeine konstruiert waren, stiegen mit zunehmendem Stellenwert auch die Ansprüche der Käufer. Nach künstlerischen Entwürfen und gezeichneten Vorlagen war die Anfertigung eines Holzmodells nur der erste von vielen Arbeitsschritten, die zur Herstellung eines Eisenguss-Ständers nötig waren. Die Anfertigung von Formkästen, das Mischen des Formsandes, das Einformen, Gießen, Putzen und die Neuaufbereitung des Formsandes für die laufende Produktion nahmen viel Zeit in Anspruch. Die meisten Gussobjekte bestanden aus einer Grundplatte mit einer Tülle, die mit Wasser befüllt der Haltbarkeit des Weihnachtsbaumes diente. Die Christbaumhalter gab es fortan in vielen verschiedenen Varianten. So gab es beispielsweise Baumständer mit drei zusammenklappbaren Füssen, bis 1920 bekannt unter der Bezeichnung „Astform“. Bis hin zu drehbaren Christbaumständern mit integrierter Spieluhr waren der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Insgesamt dokumentiert die Herstellungsweise mittels Formsand und Gusstechniken ein ganzes Kapitel deutscher Industriegeschichte.

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Die Art ihrer Gestaltung ist gleichzeitig ein Rundgang durch die Kunstgeschichte und spiegelt die ästhetischen Merkmale der jeweiligen Epochen wider. Im Historismus dominierten reich verzierte, sehr prachtvoll gestaltete Modelle, die den ganzen Motivschatz der Weihnachtszeit zeigen mit barock gestalteten Engeln, Spruchbändern u.v.m.

Den Jugendstil charakterisierten stilisierte Blüten, Misteln oder schmückende Girlanden aus weihnachtlichem Grün. Im Art Deco waren bevorzugt stark geometrische Muster die Regel bis hin zur Bauhaus-Tradition und damit der Reduktion auf das Wesentliche. Meist wurden die Christbaumständer überwiegend dunkelgrün oder braun lackiert, die festlichen Dekore und schmückenden Motive durch Bronzieren mit Gold und Silber noch besonders hervorgehoben.

Auch wenn die Fertigung aufwändig und teuer war, relativierten sich die Kosten für die Eisengießereien durch die große Nachfrage und die Massenproduktion. Dennoch waren die Christbaumständer zur damaligen Zeit nicht sofort für jede Familie erschwinglich, denn im Verhältnis zu den Löhnen waren die gusseisernen Kunstwerke noch recht teuer. Ein einfacher Ständer aus Gusseisen kostete rund 4,50 Mark, ein Modell mit Spieluhr und Drehmechanismus konnte ab 31 Mark erworben werden.

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Nach dem 2. Weltkrieg kamen neue Modelle aus Keramik, Glas und Kunststoff auf den Markt. Im heutigen 21. Jahrhundert gehören die gusseisernen „Schwergewichte“ in Grün und Gold mit teilweise unvergessenen Erinnerungen immer mehr der Vergangenheit an. Neue Ideen haben den Markt erobert. Ein fast problemloses Aufstellen des Weihnachtsbaumes mit wenig körperlichem Kraftaufwand wird garantiert, z.B. mittels Pump- oder Hebelvorrichtung mit Drahtseilzugtechnik. Als Ahnherr aller Holz-, Guss- und Plastik – Baumständer ist der „Pflanzkübel“ zeitlos modern und auch im zweiten Jahrtausend noch kein Auslaufmodell!

Objekt des Monats November 2020: Kreuzwegstation Nr. 13 „Kreuzabnahme Jesu“

Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Bei unserem Objekt des Monats November handelt es sich um die 13. Kreuzwegstation des neugotischen Kreuzweges im Schlosspark in Bendorf-Sayn. Die vierzehn original Kreuzwegstationen des Sayner Schlossparks wurden im Auftrag von Fürstin Leonilla, der Gemahlin des Fürsten Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, im Jahr 1862 auf der königlich-preußischen Sayner Hütte nach Modellen von Wilhelm Samuel und Fritz Weigelt gefertigt.

Die hier gezeigte 13. Kreuzwegstation zeigt die „Kreuzabnahme Jesu“. Sie befindet sich im Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums und wurde anlässlich der im Jahr 2007 gezeigten Ausstellung „Europäischer Eisenkunstguss Gleiwitz-Berlin-Sayn“ in der Kunstgießerei Buderus in Hirzenhain restauriert. Der Fuß dieser Kreuzwegstation wurde nachgegossen. Das Zinn-Relief mit Rahmen wurde auf den Fuß montiert und insgesamt farblich neu gefasst.

Kreuzwegstation Nr. 13: Am Abend geht Josef von Arimathäa, einer der Jünger Jesu, zu Pilatus und bittet ihn um den Leichnam Jesu, um ihn zu begraben. Als Jesus vom Kreuz abgenommen wird, sind seine Mutter Maria, deren Schwester, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena anwesend. Als Josef von Arimathäa Maria ihren toten Sohn in den Schoß legt, weinte und trauerte sie um ihn. In der christlichen Kunst entstand so das Bild der Pieta: die Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß. Auch Maria aus Magdala (= Maria Magdalena) spielt in der frühen Kirche eine große Rolle. Wie ihre Beziehung zu dem lebenden Jesus war, lässt sich nur spekulieren.

Marienkapelle, Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Im Jahr 1850 wandern Fürst und Fürstin zu Sayn-Wittgenstein von Russland nach Sayn in die preußische Rheinprovinz aus. Sie lassen ein Anwesen am Fuße des Sayner Burgberges zu einem Schloss im neugotischen Stil umbauen. Außerdem wird der Schlosspark in den 1850er Jahren neu angelegt und zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Im Jahr 1862 wird im Auftrag von Fürstin Leonilla im Schlosspark eine neugotische Kapelle mit Pieta errichtet, die Ausgangs- und Endpunkt des neugotischen Kreuzweges ist.

In der Sayner Hütte werden im Jahr 1862 durch die Modelleure Wilhelm Samuel Weigelt und dessen Sohn Fritz zunächst 14 Kreuzwegstationen in Eisenguss gefertigt. Die Stationen werden in unmittelbarer Nähe der Kapelle aufgestellt. Während der Kriege werden die Stationen zum Teil beschädigt, zerstört, einzelne auch gestohlen. Erst im Jahr 1996 konnten sie restauriert bzw. durch Nachmodellierungen ergänzt werden. Durch die Initiative des „Förderervereins für die Abtei Sayn“ erfolgte der Nachguss der fehlenden oder beschädigten Bildtafeln.

Im Jahr 1997 wurde eine 15. Station, die Auferstehung, hergestellt. Mit der Neuaufstellung des Kreuzweges im Jahr 2010 entlang des Rundweges durch den Schlosspark werden die einzelnen Stationen aus der doch etwas versteckten Lage herausgenommen und es entstand ein neuer, gern gegangener Kreuzweg. Die Kreuzwegstationen sind Kulturdenkmäler gemäß § 8 Denkmalschutzgesetz (DSchG) und sind im Denkmalverzeichnis „Kreis Mayen-Koblenz“ eingetragen.

Im Januar 1842 übernahm Wilhelm Samuel Weigelt bis ins Jahr 1865 die Verantwortung für die Kunstgussabteilung auf der Sayner Hütte. Weigelt, der am 29. Juli 1816 in Stargard (Pommern) geboren wurde und in Koblenz aufwuchs war, erlernte von 1835-1837 bei Heinrich Zumpft auf der Sayner Hütte das Modellieren in Wachs und Ton. Seine künstlerische Ausbildung setze er bei den Bildhauern Imhoff in Köln und Scholl in Mainz fort. Ab Oktober 1838 besuchte er die Akademie der Künste in München. 1841 bewarb er sich mit zwei von ihm entworfenen Wachsreliefs bei den Behörden in Berlin auf die Stelle des Chefmodelleurs der Sayner Hütte, die er am 1. Januar 1842 auch antritt.

Wilhelm Samuel Weigelt
Foto: Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Während der Tätigkeit Weigelts auf der Sayner Hütte wendet man sich bereits schwerpunktmäßig dem Guss von Grabmälern, Gittern, Wendeltreppen und Öfen zu. So soll Weigelt u. a. die Modelle für die Wendeltreppe in der Kapelle von Schloss Stolzenfels und an den Gussarbeiten für Schloss Sayn (Fenstergewände, Brunnen, Treppen, Geländer) maßgeblich beteiligt gewesen sein. Nach dem Verkauf der Hüttenanlage an Alfred Krupp, wird Weigelt am 1. Juli 1865, als Nachfolger des Friedrich Wilhelm-Ludwig-Beyerhaus, an die Gießerei nach Gleiwitz in Oberschlesien versetzt, wo er als Modelleur tätig ist. Da die Kunstgussabteilung in Gleiwitz immer weniger zu tun hat, muss Weigelt sich auf die Fertigung von Modellen für den Bau- und Maschinenguss umstellen. Im Jahr 1872 wird Weigelt entlassen. 1874 zieht er mit seiner Familie nach Lüneburg, wo er am 16. März 1897 stirbt.

Objekt des Monats Oktober 2020 „Borghesischer Fechter“

Original Statue im Louvre;
c/o: Ryan Bauman, CC BY 2.0,
https://commons.wikimedia.org

Bei dem sogenannten „Borghesischen Fechter“ handelt es sich um die lebensgroße, etwa 1,55 m große Statue eines kämpfenden Kriegers aus der Antike. Die 100 v. Chr. aus Marmor gefertigte Skulptur wurde im Jahr 1611 bei Ausgrabungsarbeiten in Porto D’Anzio gefunden, vermutlich in der ehemaligen Villa des Nero. Als Künstler nennt sich in der Inschrift Agasias aus Ephesos, der wiederum ein aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammendes Original kopiert hat. Das in 17 Einzelteile zerbrochene Fundstück wurde von dem Bildhauer Nicolas Cordier restauriert und kam dann in die Villa des Kardinals Scipione Borghese in Rom, bevor Sie 1807 von Napoleon I. gekauft und gemeinsam mit anderen Kunstwerken der Antike in den Louvre nach Paris gebracht wurde, wo sie bis heute zu bewundern ist.

Dargestellt ist ein Kampfmotiv, bei dem sich ein Schwertkämpfer gleichzeitig mit dem linken Arm verteidigt und mit dem rechten Arm einen Angriff ausführt. Am vorgestreckten linken Arm befindet sich eine Halterung für ein Schild, wobei Schwert und Schild bei der Originalstatue fehlen. Vermutlich wollte sich der Kämpfer vor einem von oben angreifenden Reiter schützen. Der Kopf ist in einer plötzlichen nach links gerichteten Bewegung
gezeigt, mit welcher der Kämpfer direkt auf den angreifenden Feind blickt und ihn fixiert. Die Gesichtszüge zeigen volle Konzentration, aber keinen Ausdruck einer Gemütsbewegung. Zwischen den gespreizten Schenkeln ist ein Baumstumpf als Stütze angebracht, der bei den Eisenkunstgüssen nicht vorhanden ist.

Fotos: archeosammlungen. uni-graz.at
Fotos: archeosammlungen. uni-graz.at

Der Borghesische Fechter zeichnet sich durch seine vortrefflich anatomische Durchbildung aus und war deshalb in der Kunst der Renaissance eine der am meisten bewunderten und ab dem 18. Jahrhundert im Klassizismus auch häufig nachgeahmten oder kopierten Bildhauerwerke im Stil der griechisch-römischen Antike. Zudem wurde Sie häufig als Musterfigur für anatomische Studien benutzt

Der Borghesische Fechter ist außerdem eines von zahlreichen historischen bzw. antiken Vorbildern für den Eisenkunstguss.
So befindet sich auch im Inventar des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums ein Metallguss dieses Schwertkämpfers. Bei diesem um das Jahr 1825 gefertigten Exponat handelt es sich um einen schwarz patinierten Messingguss, montiert auf einem quaderförmigen gelben Marmorsockel. Den unteren Abschluss des Sockels bildet eine breitere Platte aus schwarzem Marmor.
In diesem Jahr dient die Skulptur als Vorlage für das Ausstellungs- und Werkstattprojekt „Bunte Güsse – Die Sammlung ohne Eisen“.
So wurde das linke Bein des Kämpfers in buntem Zucker nachgegossen.

Foto: Benedikt Rothkegel
Foto: C. Biegel
Foto: C. Biegel
Foto: C. Biegel
Fotos: Rheinisches Eisenkustguss-Museum

Das Motiv eines Schwertkämpfers wurde auch in einem kleineren Format als Briefbeschwerer in Eisenguss hergestellt. Gerne wurde der Schwertkämpfer dabei mit einem weiteren Briefbeschwerer als Paar verkauft, der einen sterbenden Gallier zeigt. Bei der Darstellung des sterbenden Galliers handelt es sich um eine verkleinerte Nachbildung der bekannten Marmorstatue aus dem Museo Capitolino in Rom, einer römischen Kopie einer Figur, die anlässlich des Sieges König Attalos I. von Pergamon (242-197 v. Chr.) über die Gallier entstand. Im Modellverzeichnis der Sayner Hütte werden sie geführt als“ Briefhalter Sterbender Fechter“ und „Briefhalter Borghesischer Fechter“.

Auch in verschiedenen europäischen Garten- und Parkanlagen begegnet uns der „Borghesische Fechter“: So befinden sich zwei Skulpturenpaare im Mirabellengarten in Salzburg (Österreich). Das innere Paar am Bosquet wurde 1689 von Andreas Götzinger modelliert, das äußere Paar wurde von Michael Bernhard Mandl etwa um 1690 bis 1695 geschaffen.

Äußeres Paar Mirabellengarten
Inneres Paar Mirabellengarten

Ein Bronzenachguss in Originalgröße wurde für Charles I. von England angefertigt und Ist in Windsor Castle aufgestellt. Ein weiteres Skulpturenpaar kennen wir von Schloss Leopoldskron. Weitere Standorte sind Petworth House, „Green Court“ in Kole, Schlosspark Lützschena und das Treppenhaus des Goethe-Anbaus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Im Schloss Peterhof in Sankt Petersburg stehen am Fuße der großen Kaskade zwei vergoldete Bronzestatuen des Borghesischen Fechters, aus deren linkem Arm jeweils eine Wasserfontäne in Richtung des anderen spritzt.

Peterhof: Von FredericoPereira – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org

Objekt des Monats September 2020 „Igeler Säule“

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Die sogenannte „Igeler Säule“ ist eine aus Gusseisen gefertigte, verkleinerte Nachbildung des berühmten Grabmonumentes der in Igel bei Trier ansässigen römischen Tuchhändlerfamilie Secundinius. Die aufgrund des Tuchhandels wohlhabenden Gebrüder Aventinus und Securus Secundinius ließen es zum Andenken an ihre verstorbenen Angehörigen errichten. Das um das Jahr 250 n. Chr. aus rotem Sandstein erbaute römische Denkmal ist das größte noch an seinem Originalstandort bestehende Pfeilergrab nördlich der Alpen. Die 19 Zoll große Eisenguss-Skulptur befindet sich heute im Privatbesitz und wurde dem Rheinischen Eisenkunstguss-Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Das die original Igeler Säule noch heute erhalten ist, verdankt sie einem Irrglauben im Mittelalter. Fälschlicher Weise deutete man eine auf dem Grab abgebildete Familienszene der Secundinier als Vermählung der Eltern von Kaiser Konstantin dem Großen. Somit entging das Pfeilergrab seiner Zerstörung nach dem Zerfall des römischen Reiches. Als geschütztes Kulturdenkmal zählt die 23 Meter hohe Igeler Säule seit dem Jahr 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe Trier. Außerdem ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet.

Original Grabmonument in Igel © Rheinisches Eisenkunstguss Museum
Nordseite der Stufen und des Sockels © trierer-original.de

Die Igeler Säule zeigt auf allen vier Seiten zahlreiche Szenen aus dem Alltag der Tuchmacherfamilie Secundinius sowie mythologische Bilder und Gestalten in einer betonten Architektonischen Gliederung. Sie setzt sich aus zwei Blöcken mit je vier Seitenteilen zusammen, die miteinander verschraubt sind. Der untere Block besteht aus vier leicht zurückspringenden Stufen mit Bildern von Delphinen und Eroten, Tritonen und Seetieren und auf der Westseite mit einer Darstellung eines von 2 Männern gezogenen Kahns. Darüber folgt der Sockelbereich mit Motiven aus dem Tuchhandel. Auf der Nordseite erkennbar ist eine Szene der Tuchballenverschnürung.

Das mit vier Eckpfeilern versehene Hauptgeschoss zeigt Abbildungen von Knaben und Giganten. Das Hauptfeld der Südseite zeigt die Brüder L. Secundinius Aventinus (links) und L. Secundinius Securus (rechts), die eine Testamentsrolle in der Hand halten. In der Mitte ist einer der verstorbenen Söhne des Securus abgebildet. Das linke Medaillon zeigt Pecata, die verstorbene Ehefrau des Aventinus, das Mittlere den Vater der Erbauer (Publius Secundinus) und das Rechte den zweiten Sohn des Securus. Auf dem Hauptgeschoss sitzt ein schmaler Fries mit Bildern aus dem Tuchhandel.

Hauptfeld der Südseite mit den Gebrüdern Aventinus & Securus © Rheinisches Eisenkunstguss Museum
Attika und Giebelfeld der Nordseite © trierer-original.de

Das darüber liegende Architekturelement, die Attika, ist auf drei Seiten mit Szenen aus dem Tuchhandel und auf der Nordseite mit Greifen und einem Eros verziert. In den vier Giebelfeldern sind Götterfiguren erkennbar. Hier auf der Nordseite dargestellt ist die mächtige Büste des jugendlichen Sonnengottes. Gezeigt wird der Aufstieg des Sonnengottes aus dem Ozean, was den Sonnenaufgang bedeutet.

Den Abschluss des Grabpfeilers bildet ein Schuppendach, darauf erhebt sich ein mächtiges Figuren-Kapitell, das an den Ecken mit gefesselten Giganten bekleidet ist. Über Schlangenknoten sitzt jeweils ein Kopf. Nach Vorne der eines Mannes, und auf den anderen drei Seiten sind Frauenköpfe abgebildet. Das Kapitell trägt eine Platte, darauf ein riesiges Ei. Gehalten wird das Ei von vier weiblichen Köpfen an jeder der Ecken. Den krönenden Abschluss bildet der Adler des Zeus, der einen Knaben zum Himmel trägt.

Schuppendach und Bekrönung der Igeler Säule © trierer-original.de

Die Idee, das Grabmal in Eisenguss zu fertigen entstand erstmals Mitte der 1820 er Jahre im Umfeld der Sayner Hütte. Zu dieser Zeit war die Sayner Hütte bereits seit 5 Jahren in preußischer Hand. Das Königreich Preußen förderte das in der nach den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 hinzugewonnenen Rheinprovinz wiedererwachte Interesse an dem Wiederaufbau und der Restaurierung antiker Bauten und kümmerte sich auch um die Erhaltung dieses römischen Monuments. Die Produktion der Igeler Säule in Eisenguss sollte zum wirtschaftlichen Vorteil der königlich-preußischen Sayner Hütte umgesetzt werden.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Der Bonner Architekt Bernhard Hundshagen, aus dessen Feder einige Entwürfe für Neujahrsplaketten der Sayner Hütte stammen, schlägt in einem Brief vom 10. Februar 1826 das „Monument zu Igel bei Trier“ als interessantes Motiv für den Eisenkunstguss vor. Die Sayner Hütte schickt daraufhin ihren Modelleur Heinrich Zumpft zweimal nach Igel an die Mosel, um die Igeler Säule genau zu vermessen und um ein Wachsmodell anzufertigen. Im Jahr 1828 wurde die Igeler Säule dann erstmals in der Sayner Hütte gegossen. Nachweislich wurde sie bis zum Verkauf der Hütte an Krupp im Jahr 1865 in Sayn produziert. Unter Verwendung eines Originalgusses der Sayner Hütte fertigte die Halbergerhütte zwischen 1880 und 1950 etwas kleinere Nachgüsse des Grabmals an.

Die Igeler Säule ist das wohl berühmteste Werk ihres Modelleurs Johann Heinrich Zumpft. Es brachte ihm den Rang eines „Akademischen Künstlers“ ein, welcher ihm im Jahre 1830 vom akademischen Senat in Berlin verliehen wurde. Johann Heinrich Zumpft, der unter Leonhard Posch in Berlin gelernt hat, wurde im Jahr 1822 erster Modelleur für Eisenkunstguss in der neu errichteten Tiegelgießerei der Sayner Hütte und damit mit den „feinen Modelleur-Arbeiten“ betraut. Neben der Erstellung und Beschaffung von Modellen, lag seine Aufgabe außerdem in der Ausbildung junger Leute für den Beruf des Modelleurs. Zuvor war er seit Anfang 1813 auf der Munitionsgießerei der Berliner Eisenhütte tätig.

Nach 25 Jahren im Staatsdienst ohne Pensionsaussichten und durch nachlassende Sehkraft nahezu erwerbsunfähig, eröffnet er am 1.Januar 1838 das „Gasthaus zur Saynerhütte“ (heutige Koblenz-Olper-Str. 177) um seinen 13-köpfigen Haushalt weiterhin versorgen zu können. Bis ins Jahr 1846 betreibt Heinrich Zumpft seine Gaststätte und verlässt dann Sayn, um nach Homburg (heute Bad Homburg) zu ziehen. Seine Spuren verlaufen sich dann im Jahr 1875 in Kassel, wo er noch einmal die Anfertigung von Gipsabgüssen der Igeler Säule anbietet und im Jahr 1878 gestorben sein soll. Das Haus Zumpfts ersteigert im Jahre 1848 der Geheime Bergrat Carl Ludwig Althans und wohnt dort bis zu seinem
Tode am 10. Oktober 1864.

Haus Zumpft, 1992 © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Signatur Zumpft © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Die ersten Eisengüsse der Igeler Säule mit Widmung erhielten Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Wolfgang von Goethe, der die Igeler Säule im Jahr 1792 mehrmals besucht hatte und der preußische Innenminister Kaspar Friedrich von Schuckmann anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums vom Oberbergamt in Bonn.

Im Besitz des Kronprinzen befand sich außerdem ein farbig gefasster Gipsabguss, der heute noch zur Ausstattung von Schloss Stolzenfels gehört. Weitere Igeler Säulen in Eisenguss befinden sich in Brühl, im Schloss Augustusburg, im Röntgen-Museum Neuwied, in der Hanns Schell Collection in Graz sowie im Muzeum Narodowe w Wroclawiu (Nationalmuseum Breslau). Das Brühler Exemplar steht auf einem einfachen Bronzesockel und darunter wiederum auf einem größeren weißen Marmorblock. Es trägt im Sockelbereich die Signatur: „Zumpft.F.1828.“.

Im Jahre 1829 bringt Georg Osterwald im Koblenzer Verlag Baedeker eine Publikation über „Das Römische Denkmal in Igel und seine Bildwerke mit Rücksicht auf das von H. Zumpft nach dem Originale ausgeführte 19 Zoll hohe Modell…“ heraus. Diese Begleitschrift enthält ein werbewirksames Vorwort von Johann Wolfgang von Goethe sowie Lithographien mit Ansichten der Igeler Säule, gefertigt nach dem Modell von Heinrich Zumpft und dazu detaillierten Beschreibungen. Sie schließt mit einer Anzeige, in welcher Zumpft und Osterwald Bronzeabgüsse für 20 preußische Taler und Gipsabgüsse für 3 Taler und 25 Silbergroschen anpreisen.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Objekt des Monats August 2020 „Sayner Mücke“


© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Bei der der sogenannten „Sayner Mücke“ handelt es sich um eine gusseiserne Stubenfliege in Originalgröße, die vermutlich um das Jahr 1820 erstmals in der Sayner Hütte gegossen wurde. Ihr Körper besteht aus Eisenguss und die sechs Beine sind aus Eisendraht gefertigt. Gegossen aus einem einzigen Tropfen (ein Gramm) Eisen gilt sie als das kleinste und wohl auch schwierigste künstlerische Eisenkunstguss-Erzeugnis der Sayner Hütte.

„…Dabei ist der Guß dieses winzigen Stückchens Eisen nicht einmal das schwierigste dabei. Schwieriger sind die Mückenbeine. Sie müssen einzeln aus dünnem Draht in den Formsand gestellt und später mit der Pinzette gebogen und gerichtet werden. Dabei hat sich schon manche kunstvoll erstellte Mücke ein Bein gebrochen…“, so wird Georg Schneider in der Festschrift „Mückenfest“ im Jahr 1950 zitiert.

Im Jahr 1817/18 entsteht nach Gleiwitzer Vorbild und unter der Leitung des königlichen Bauinspektors Franz Moritz und des Hütteninspektors Carl Ludwig Althans im Arkadengebäude der Sayner Hütte die erste sogenannte Tiegelgießerei zur Produktion von Eisenkunstguss. Hier werden neben der Sayner Mücke unter anderem Glocken, Kruzifixe und Bildnis-Medaillons gegossen. Der erste Modelleur der Sayner Kunstgießerei ist der aus Berlin stammende Heinrich Zumpft, der ab dem Jahr 1822 die „feinen Modelleur-Arbeiten“ in der Sayner Hütte übernimmt. Gemeinsam mit dem Zeichner Karl Osterwald leitet er bis in das Jahr 1835 die Eisenkunstgussproduktion der Sayner Hütte.


Carl Ludwig Althans © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Es gibt keine eindeutigen Belege darüber, warum man in Sayn beschloss, sich ausgerechnet eine kleine Stubenfliege zum Modell zu nehmen, doch wie eine Anekdote weiß, wurden die Sayner Kunstgießer von ihren hochnäsigen Kollegen in Berlin hochgenommen, „sie könnten ja gar nicht richtig gießen“. Mit dem Guß der Sayer Mücke belegten sie eindrucksvoll das Gegenteil.


Original „Sayner Mücke “ inkl. Verkaufsschachtel (Privatbesitz) © C. Biegel

Ein Originalguss inklusive Verkaufsschachtel aus Krupp’scher Zeit (1865-1926) befindet sich heute im Privatbesitz und wurde an das Rheinische Eisenkunstguss-Museum ausgeliehen. Die Leihgabe ist derzeit in der
Krupp’schen Halle ausgestellt. Nach Schließung der Sayner Hütte im Jahr 1926 hat die Kunstgießerei der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen und die Kunstgießerei Buderus in Hirzenhain Nachgüsse der „Sayner Mücke“ produziert.

Im Jahr 1950 ist die Sayner Mücke erstmals Namensgeber des vom „Verkehrs- und Verschönerungsverein Bendorf-Sayn-Mülhofen e.V.“ ausgerichteten Volksfestes, dem sogenannten „Mückenfest“ im Schloßpark in Sayn. An allen Festtagen gilt die „Sääner Meck“, wie sie im Volksmund genannt wird, als Festabzeichen. Die Idee ein „Mückenfest“ auszurichten stammt vom damaligen Bürgermeister der Stadt Bendorf Georg Bauer.


Die Sayner Mücke als Anstecknadel © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Festschrift „Mückenfest“ © Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Im Vorwort der ersten Festschrift „Mückenfest“ wird er wie folgt zitiert: „Es ist gewiß ein Wagnis, die kleine Fliege – der Volksmund nennt sie nicht ganz zutreffend „Mücke“ – in den Mittelpunkt eines Volksfestes zu stellen.
In Bendorf hat das jedoch seine Berechtigung: Die gusseiserne Mücke, unser Festabzeichen, ist ein Kunstwerk, geschaffen in der Sayner Hütte
an der Stätte der ersten deutschen Kunstgießerei.“ Bis heute findet Anfang September in Sayn das sogenannte Burgen- und Parkfest, als Nachfolge für das „Mückenfest“, statt.

Objekt des Monats Juli 2020 „Regulier-Füllofen Nr. 24“ aus dem Jahr 1900

© Benedikt Rothkegel

Dieser vierstöckige, aufwendig verzierte Ofen mit Kuppel aus Eisenguss stammt aus der Produktion der Concordiahütte in Bendorf-Mülhofen und zählt heute zum Bestand des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.
Es handelt sich um einen sogenannten Regulierfüllofen, der unter der Nummer 24 im Produktkatalog der Concordiahütte aufgeführt wird. Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ein Schwerpunkt in der Produktion Concordiahütte bei der Ofen- und Herdmontage. Im Bestand des Rheinischen
Eisenkunstguss-Museums befinden sich zahlreiche Produktkataloge, die von der großen
Vielfalt des Angebots zeugen. Neben der Funktion als Wärmespender hatten diese sehr dekorativen und aufwendig verzierten Öfen auch einen bedeutenden kunsthandwerklichen Wert. Sie galten als Parameter für die gesellschaftliche Stellung einer Familie.

Die Reinigung eines solch reich dekorierten Ofens bedeutete oft mehrere Stunden Arbeit. Dazu verwendete man eine Mischung aus fein zerstoßener Asche und brachte die Oberfläche anschließend mit einer frisch geräucherten duftenden Speckschwarte zum Glänzen.

Arbeiter der Ofenmontage der Concordiahütte um 1900

Der Regulierfüllofen Nr. 24 besteht aus insgesamt vier Etagen. Auf dem Sockel mit ausgeformten Standfüßen und einer Bodenplatte ist die unterste Etage montiert, welche als Aschenfall dient und mit einem Aschenkasten versehen ist. Auf der Vorderseite befindet sich eine mit einem Bügelhebel verschließbare Aschentür, welche eine kreisrunde, durch einen Schraubverschluss zu schließende Öffnung zur Luftregulierung aufweist.

© Benedikt Rothkegel

© Benedikt Rothkegel

Die zweite und dritte Etage dienen als Feuerraum und sind daher mit Schamottesteinen ausgemauert. Auf der Vorderseite der zweiten Etage befindet sich eine durch einen Bügelhebel verschließbare Fülltür. Wie bereits die Aschentür in der unteren Etage hat auch diese Ofentür eine Vorrichtug zur Luftregulierung. Sie wird eingerahmt von zwei maskenartigen Kopfverzierungen und über der Fülltür ist die Produktionsnummer „Nr. 24“ eingraviert. Auf den seitlich angebrachten Platten und auf der Rückseite sind von Löwenköpfen eingerahmte Wappen zu erkennen.

Die seitlichen Wappen tragen die Inschrift „Muster, Schutz“ und das und das Rückseitige Wappen die Aufschrift „Concordia-Hütte“. Die Fülltür der dritten Etage ist mit Luftschlitzen versehen durch säulenartige Verzierungen eingerahmt. Auch diese Etage weist Wappen auf, welche die Firmeninhaber benennen „Gebr. Lossen“.

Die oberste Etage zeigt Motive aus dem Handwerk. Auf der vorderen Seite erkennbar sind zwei Schmiede und auf den Ofenseiten sind je zwei Böttcher bei der Arbeit dargestellt, wiederum eingerahmt von prunkvollen Säulenverzierungen. Auf der Rückseite der vierten Etage befindet sich der Ofenrohranschluss.

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Den oberen Abschluss des Ofens bildet ein dachähnlich geformter Rahmen, verziert mit einem Schindelmuster. Darunter ist ein Wasserbehälter eingesetzt. Die gewölbte Kuppel ist durchbrochen und an den vier Seitenmitten mit einer Wappenverzierung versehen. Den oberen Abschluss der Kuppel ziert ein Knauf.

Jede der vier Etagen besteht demnach aus vier inRahmen eingesetzten Ofenplatten. Die Seitenplatten sind mit Bügeln durch die Ecken der Stirn- und Rückseite gehalten. Die unteren drei Etagen werden durch vier unter der Bodenplatte verschraubte Eisenstäbe
fixiert. Die vierte Etage ist mit zwei Eisenstäben verschraubt. Der Rahmen, der Wasserbehälter und die Kuppel sind lose aufgesetzt.

Regulierfüllöfen arbeiten mit einem festen Brennstoff und sind auf Grund ihrer mehrfachen Regulierungsmöglichkeiten von Primär- und Sekundärluft für den Dauerbetrieb geeignet.
Die untere Fülltür ist für die vorübergehende Wärmezufuhr und die obere für stetige Heizung zuständig. Bei einer Dauerbenutzung wird die untere Fülltüröffnung mit einem einhängbaren Schamotterost verschlossen.
Die Heizkraft eines solchen Ofens beträgt ca. 75 Kubikmeter.

Objekt des Monats Juni 2020 „Schlangenvase in Eisenguss“

© Benedikt Rothkegel

Die sogenannte „Schlangenvase“, eine klassizistische schlichte Kratervase in Eisenguss, wird unseren Besuchern in der Interimsausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums in der „Krupp’schen Halle“ präsentiert. Sie stammt aus der Produktion der Sayner Hütte, modelliert nach einer Lithografie von Carl Osterwald.

Der damalige Hüttenbeamte Carl Osterwald hat die Schlangenvase für das im Jahr 1823 herausgebrachte „Musterbuch I“ der Sayner Hütte gezeichnet bzw. entworfen. Sein Bruder, der Künstler und Architekt, Georg Osterwald hat den Entwurf in Stein gesetzt, damit dieser dann im Steindruckverfahren (Lithografie) gedruckt werden konnte.

Der ausgebildete Zeichner Carl Friedrich Ferdinand Osterwald kam nach seiner Tätigkeit beim Oberbergamt in Bonn im Jahr 1818 nach Sayn und war fortan als Magazinverwalter auf der Sayner Hütte tätig. Am 25. Mai 1824 heiratete Carl Osterwald in Sayn Maria Elisabeth Ziliken, mit der er vier Kinder bekam. Im Jahr 1834 wechselte er aus finanziellen Gründen als Techniker in die benachbarte Maschinenfabrik d’Ester bzw. von Bleul. Nachdem sich Osterwald im Jahr 1865 ebenfalls sehr erfolgreich als Fotograf verwirklichte, starb er am 4. August 1868 im Alter von 75 Jahren in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

In den Musterbüchern der Sayner Hütte finden wir immer wieder von Carl Osterwald ausgeführte und signierte Zeichnungen, wie beispielsweise Wendeltreppen, Gitter und Tore, Grabmäler, klassizistische Ziervasen und Öfen. Die in den Musterbüchern der Sayner Hütte abgebildeten Produkte orientieren sich teilweise an dem 1821 herausgegebenen Vorlagenbuch der „Technischen Deputation für Gewerbe“ in Berlin. Die von Carl Osterwald gefertigte Zeichnung der Schlangenvase ist, bis auf die Gestaltung des Vasenhalses, identisch mit der von Johann Mathäus Mauch entworfenen Vase, welche in der „Zweiten Abtheilung“ des Berliner Vorlagenbuches abgedruckt ist.

Ebenfalls aus der Feder von Carl Osterwald stammt eine Lithografie aus dem Jahr 1830. Sie entstand nach der Fertigstellung der neuen Gießhalle nach Plänen von Carl Ludwig Althans und zeigt die „neue Gesamtansicht“ der Westseite der Sayner Hütte. Auch hier ist die berühmte Schlangenvase im Vordergrund links auf einem Mauervorsprung dargestellt. Der rechts im Bild sichtbare neugotische Baldachin stammt ebenfalls aus der Produktion der Sayner Hütte. Diese Zeichnung diente als Werbebild für die Eisenproduktion in Sayn.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

© Benedikt Rothkegel
© Benedikt Rothkegel

Die Schlangenvase besteht aus insgesamt sechs Teilen, einem Sockel mit Fuß, einem Vasenkörper und vier Eisenbändern. Auf dem quadratischen Sockel steht ein runder, leicht eingezogener Fuß der in den kelchförmigen Vasenkörper übergeht. Im unteren Drittel des Vasenkörpers befindet sich eine ornamentale Oberflächen- und Randverzierung, die sogenannte Eierleiste.

Von der Eierleiste ausgehend sind je zwei gegenständige, nach oben zusammenlaufende, runde Eisenbänder befestigt, welche in je drei „Schlangenrundungen“ über die Lippe der Vase hinweg nach innen gedreht sind. Somit entstehen je sechs gegenständige von innen nach außen kleiner werdende Rundungen.

Das untere Ende der Eisenbänder mündet jeweils in einer Art „Herz“. Den Übergang der Bänder über die Lippe verdeckt je ein palmettenverzierter ca. 10 cm breiter Eisenstreifen. Der Sockel und der Fuß sind in einem Guss und mit dem Vasenkörper durch eine kräftige Schraube verbunden. Die „Schlangen“ bestehen aus je zwei Teilen, dem unteren, bis zur Lippe, sowie dem ins Vaseninnere laufenden oberen Teil. Sie sind mit Stiften bzw. Schrauben am Vasenkörper befestigt.

Nach mündlicher Überlieferung ist diese Vase ein Original aus der Produktion der Sayner Hütte um 1825. Für einen späteren Nachguss sprächen die Schrauben zur Befestigung der Eisenbänder, sofern es sich nicht um spätere Restaurierungen des Originalgusses handelt. In ihrer ursprünglichen Funktion als klassizistische Ziervase stand diese Schlangenvase bis in das Jahr 1973 in Sayn auf einer Mauer zwischen dem Krupp`schen Erholungsheim und dem Direktorengebäude der Sayner Hütte.

Die Schlangenvase diente bis 2019 als Logo des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums.

Objekt des Monats Mai 2020 „Preußische Adlerskulptur“

© Benedikt Rothkegel

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Bevor die Sayner Hütte im Jahr 1865 an Krupp verkauft wurde, war sie seit dem 1. Juli 1815 eine königlich-preußische Eisengießerei und damit ein staatlicher Eigenbetrieb des Königreiches Preußen. Sie war neben den Gießereien in Gleiwitz (Polen) und Berlin eine von nur drei preußischen Eisenhütten. Als Hoheitssymbol der preußischen Regierung unter König Friedrich Wilhelm II. wurden am Werkstor der Sayner Hütte auf zwei Pfeilern große gusseiserne Preußen-Adler mit einer Spannweite von einem Meter, einer Höhe von 85 Zentimetern und einem Gewicht von je 250 Kilo aufgestellt. Die beiden Adler waren in Kopfhaltung und Blickrichtung einander zugeneigt.

Als Wappentier Preußens erinnerten die beiden Portaladler stets an den staatlichen Eigentümer und damaligen Betreiber der Sayner Hütte, das Königreich Preußen. Die Adlertore waren lange Zeit auch der Eingang zur Scheckfabrik, die sich in der heutigen Krupp’schen Halle befand.

Die Adlerskulpturen sind abgebildet in zwei um das Jahr 1846 herausgegebenen Musterbüchern bzw. Katalogen der Sayner Hütte (Musterbuch 2 und 3). Daher geht man davon aus, dass sie auch in diesem Zeitraum in der Sayner Hütte hergestellt wurden.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum
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Auf der Brunnensäule von Schloss Stolzenfels in Koblenz steht ein ähnlicher Adler, der in seinen Krallen zusätzlich ein Blitzbündel hält. Er wurde allerdings im Schwesterbetrieb der Sayner Hütte in der preußischen Eisengießerei in Berlin hergestellt.

Eine weitere in Berlin gefertigte preußische Adlerskulptur befindet sich unter dem Dach des Kölner Doms.

Die Adler der Sayner Hütte waren in einem äußerst desolaten Zustand und wurden im Jahr 2009 abgebaut. Mit großer finanzieller Unterstützung des Freundeskreises Sayner Hütte e.V. wurden Sie zur Restaurierung in die Werkstätte der Firma Haber & Brandner nach Regensburg gebracht und im Anschluss zur Fertigung von zwei originalgetreuen Nachgüssen in die Kunstgießerei Lauchhammer transportiert.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

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Im Jahre 2010 stellte man die beiden nachgegossenen Adler auf den restaurierten Pfeilern, deren historisches Ziegelmauerwerk inzwischen wieder freigelegt wurde, am Denkmalareal Sayner Hütte auf. Die Nachgüsse wurden mit einem Schutzanstrich in der Ursprungsfarbe schwarzgrau versehen und sind von den ursprünglichen Originalen nicht zu unterscheiden. Das von den beiden Adlern eingerahmte Werkstor wurde ebenfalls saniert.

Um die beiden aufwendig sanierten Originaladler nicht erneut der Witterung und schädlichen Umwelteinflüssen auszusetzen, wurden Sie bis November 2019 in der Dauerausstellung des Rheinischen Eisenkunstguss Museums im Schloss Sayn ausgestellt. Heute kann man eine der beiden Adlerskulpturen in der Dauerausstellung in der Krupp’schen Halle bewundern. Der zweite Originaladler wird in Zukunft Teil der neuen Eisenkunstguss-Ausstellung im Arkadengebäude der Sayner Hütte sein.

Der preußische Adler findet sich im Übrigen auf zahlreichen Produkten der Sayner Hütte wieder. So beispielsweise auch auf einer gusseisernen Glocke aus dem Jahr 1833, welche in der Gießhalle ausgestellt ist. Es handelt sich dabei vermutlich um die einzige erhaltene gusseiserne Glocke der Sayner Hütte.

© Rheinisches Eisenkunstguss Museum

Adlerreliefs aus der Produktion der Sayner Hütte, die ebenfalls im Katalog abgebildet sind, wurden an den Toren der preußischen Festungen montiert. So ist auch auf der Festung Ehrenbreitstein ein Adlerrelief über dem Tor zum Hauptplatz der Festung zu erkennen.